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Cornelia Baltscheit, Dipl.-Psychologin am Immanuel Krankenhaus Berlin, Standort Wannsee, begleitet seit vielen Jahren Menschen mit rheumatischen Erkrankungen. Ihr Ziel: Betroffene dabei unterstützen, mit Schmerzen, Unsicherheit und den Herausforderungen einer chronischen Erkrankung besser umzugehen – und wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.

Eine Rheuma-Diagnose verändert vieles – oft von heute auf morgen.

Frau Baltscheit, was umfasst Ihre Arbeit im Klinikalltag?

Ich begleite Patientinnen und Patienten mit Rheuma von Anfang an – sei es bei der Diagnostik, in Krisensituationen oder bei der Entwicklung von Strategien im Umgang mit chronischen Schmerzen.

Viele sind nach der Diagnose zunächst verunsichert. Genau hier setze ich an: Orientierung geben, Ängste auffangen und Wege aufzeigen, wie man aktiv mit der Erkrankung leben kann.

Schwerpunkt Fibromyalgie: Verstehen hilft

Ein besonderer Fokus meiner Arbeit liegt auf dem Fibromyalgie-Syndrom, einer Form chronischer Schmerzstörung, die häufig im rheumatologischen Kontext behandelt wird.

Warum ist Aufklärung so wichtig?

Weil viele Betroffene eine lange Phase der Ungewissheit hinter sich haben. In unseren Schulungen geht es darum zu verstehen: Was ist Rheuma? Wie entsteht Schmerz? Und was kann ich selbst tun?

Drei Schritte zu mehr Selbstwirksamkeit

Unsere Patientenschulungen sind ein zentraler Bestandteil der Therapie in der rheumatischen Komplextherapie und haben einen klaren Aufbau.

Ein wichtiger Teil ist auch die Selbstbeobachtung: Wann verändert sich Schmerz – und warum? So lernen Betroffene, ihre eigenen Einflussmöglichkeiten besser zu erkennen.“

Gemeinsam statt allein: Austausch unter Betroffenen

Welche Rolle spielen die Gruppenangebote?

Eine sehr große. Wir vermitteln Wissen zu Krankheit, Therapie und Selbsthilfe – aber vor allem entsteht Austausch. Viele merken dort zum ersten Mal: Ich bin nicht allein – und ein gutes Leben ist trotzdem möglich.

Ich bin selbst betroffen – und weiß, wie wichtig es ist, Menschen zu sehen, die trotz Rheuma ein gutes Leben führen.

Versorgung verbessern: Das Projekt „KOBRA“

Im Projekt „KOBRA“* wird die Qualität der akutstationären rheumatologischen Behandlung systematisch überprüft – bei der stationären Aufnahme, der Entlassung und drei Monate danach.

Eine zentrale Erkenntnis:
Therapien werden im Alltag oft nicht konsequent fortgeführt. Gerade bei entzündlichem Rheuma ist eine dauerhafte Behandlung jedoch entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden.

* Kontinuierliches Outcome Benchmarking in der Rheumatologischen Akutversorgung

Zunehmende psychische Belastungen

Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Wir sehen deutlich mehr psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Besonders seit der Corona-Zeit hat die Belastung spürbar zugenommen – auch bei jüngeren Menschen.

Gleichzeitig sind rheumatische Erkrankungen komplex und nicht immer leicht zu diagnostizieren. Das führt oft zu Unsicherheit und langen Leidenswegen. Umso wichtiger ist eine ganzheitliche Behandlung, die Körper und Psyche einbezieht.

Selbsthilfe: Ein wichtiger Baustein bei Rheuma

Neben der Klinik spielt die Selbsthilfe eine große Rolle. Als Vizepräsidentin der Rheuma-Liga Berlin engagiert sich Cornelia Baltscheit für Betroffene.

Selbsthilfegruppen, Beratung und Funktionstraining helfen dabei, aktiv zu bleiben und den Alltag mit Rheuma besser zu bewältigen. Gleichzeitig werden Angebote wie Wassergymnastik zunehmend knapper – ein Problem für viele Betroffene.

Rheuma verstehen heißt, besser damit leben zu können

Welche Tipps geben Sie Betroffenen mit?

Werden Sie Expertin oder Experte für Ihre eigene Erkrankung. Achten Sie auf eine gute Arzt-Patienten-Beziehung. Suchen Sie aktiv den Austausch mit anderen.

Gerade am Anfang kostet es Kraft, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Doch dieses Wissen hilft, Sicherheit zu gewinnen – und Schritt für Schritt wieder mehr Lebensqualität zurückzugewinnen.