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Hör-Tipp: Berufe mit Wirkung – Ein Blick hinter die Kulissen der Physiotherapie & Ergotherapie
Malte Hirnich, Leitung der Physiotherapie und Anja Biebrach, Leitung der Ergotherapie im Immanuel Krankenhaus Wannsee sprechen in der Sendung „Natürlich gesund“ über ihre Aufgabenfelder, Einsatzgebiete und Erfolge im beruflichen Alltag.
In dieser Woche ging es in der Sendung „Natürlich gesund“ bei Radio Paradiso um zwei Berufe, die täglich einen echten Unterschied machen.
Zu Gast im Studio waren Anja Biebrach, Leiterin der Ergotherapie und Malte Hirnich, Leitung der Abteilung Physiotherapie im Immanuel Krankenhaus Standort Wannsee.
Physio- und Ergotherapie arbeiten Hand in Hand, um verlorene Funktionen wiederherzustellen, Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern – sei es in der Rheumatologie, Naturheilkunde, Orthopädie oder in den chirurgischen Abteilungen.
- Welche Erfolge lassen sich erzielen?
- Wie viel trägt der Patient selbst zum Therapieerfolg bei?
- Und was bedeutet diese Arbeit ganz persönlich?
Darüber sprach Moderatorin Julia Nogli mit ihren Gästen – praxisnah, authentisch und mit Blick hinter die Kulissen.
- Jetzt reinhören! In unser Mediathek steht das ganze Interview zur Verfügung.
- Mehr Informationen zur Ergotherapie am Immanuel Krankenhaus Berlin
- Mehr Informationen zur Physiotherapie am Immanuel Krankenhaus Berlin
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Berufe mit Wirkung: Ein Blick hinter die Kulissen der Physiotherapie und Ergotherapie
Malte Hirnich, Leitung der Physiotherapie und Anja Biebrach, Leitung der Ergotherapie im Immanuel Krankenhaus Wannsee sprechen in der Sendung „Natürlich gesund“ über ihre Aufgabenfelder, Einsatzgebiete und Erfolge im beruflichen Alltag.
Julia Nogli: Radio Paradiso mit der Sendung Natürlich gesund. Mein Name ist Julia Nogli und unser Thema heißt heute Berufe mit Wirkung. Ein Blick hinter die Kulissen der Physiotherapie und Ergotherapie.
Gäste hier bei mir im Studio sind Malte Hirnich, der die Physiotherapie im Immanuel Krankenhaus Wannsee leitet und Anja Biebrach. Sie leiten die Abteilung Ergotherapie dort. Ich grüße Sie.
Hallo.
Malte Hirnich: Guten Abend.
Julia Nogli: Ja, Frau Biebrach, das ist schon alles ein weites Feld, oder, was Sie da beackern und all Ihre Kolleginnen und Kollegen?
Anja Biebrach: Ja, doch schon. Wir haben halt im Immanuel Krankenhaus Berlin Wannsee ganz viele Patienten der Bereiche Rheumatologie, Naturheilkunde, Osteologie und auch zwei chirurgische Abteilungen, einmal der unteren Extremität und der oberen Extremität. Und die Patienten sind stationär bei uns im Haus und werden halt engmaschig von dem interdisziplinären Team betreut und versorgt.
Wir haben halt eine enge Vernetzung zwischen den Ärzten, Pflege und den therapeutischen Einrichtungen, wo halt die Physio- und die Ergotherapie dazuzählen.
Julia Nogli: Zur Physiotherapie, Herr Hirnich, also hat man ja eine allgemeine Vorstellung, aber es ist ja hier noch mal ein bisschen was anderes. Wie gesagt, stationärer Aufenthalt, also zum Beispiel nach einer OP oder so, oder was sind überhaupt Diagnosen oder Probleme, worum müssen Sie sich da so kümmern?
Malte Hirnich: Das ist eine sehr komplexe Frage. Es ist ein sehr breites Spektrum, weil wir halt vor allem unter dem Hauptpferd der Rheumatologie arbeiten, wozu halt ein sehr großes Bild, sehr viele Krankheiten dazugehören. Deswegen kann man das gar nicht so spezifisch sagen.
Also alles, was in den Bereich Rheumatologie mit reinfällt und dann halt darüber hinaus dann auch dann die Orthopädie oder die Chirurgie im Bereich der unteren Extremität oder der oberen Extremität, wo dann Hüftendoprothesen oder Knie- aber auch Schulterendoprothesen oder Fingerendoprothesen gemacht werden.
Julia Nogli: Genau, also das ist in der Tat viel. Rheumaklar ist ein Oberbegriff halt und inwiefern können Sie da helfen? Also das hängt natürlich jetzt auch wieder davon ab, wo Sie ansetzen.
Aber was ist so das Wichtige?
Malte Hirnich: An sich sind die groben Ziele, die großen Ziele, die wir im Allgemeinen als interdisziplinäres Team verfolgen, dass wir eine Steigerung der Lebensqualität erreichen wollen. Und dazu gehören halt Maßnahmen wie Schmerzlinderung. Also wir gehen in Richtung Weichteiltherapien, wir gehen in Richtung Bewegungstherapien.
Das heißt also, dass wir mit den Patienten auch wirklich explizit, gezielt Übungen machen, damit sie halt mit dem, was sie bereits können, dass wir das steigern, sodass sie im Allgemeinen besser werden. Und das, was sie halt noch nicht können, dass sie darin auch wesentlich besser werden.
Julia Nogli: Kommen wir mal jetzt schon auch zur Ergotherapie. Das ist ja immer noch mal so ein spezieller Bereich. Was bedeutet eigentlich Ergotherapie?
Anja Biebrach: Eine Ergotherapie in dem Bereich oder in der Rheumatologie heißt halt auch viel, die Physiotherapie arbeitet viel an der körperlichen Funktion. Wir sind halt auch die Therapeuten, die halt Aufklärungsarbeit leisten. Was ist halt, was ist zu erwarten beim rheumatischen Formenbild?
Was kann die Deformität sein? Durch was wird sie vielleicht ausgelöst? Was kann sich verändern?
Was kann ich erwarten? Wo kommen vielleicht die Schmerzen her? Was ist der Inhalt von dem Krankheitsgeschehen einfach?
Was kann passieren? Und natürlich auch die Versorgung diesbezüglich mit Schienen, mit Bandagen, mit Hilfsmitteln, weil irgendwann kann es ja auch sein, dass eine Funktion ausfällt, dass eine Funktion nicht mehr gut erfüllbar ist oder leistbar ist von den Patienten. Und das schränkt ja die Lebensqualität ein.
Und wir sind halt die Therapeuten, die dann auch Hilfestellungen geben und auch sagen, das wäre ein gutes Hilfsmittel, das kann man vielleicht anders machen. Und halt auch dafür sorgen mit unseren Fingerübungen, dass die Patienten halt in die richtige Richtung üben, weil bestimmte Sachen folgen halt leider einem Schema. Bestimmte Veränderungen des Körpers folgen einem Schema, gerade bei rheumatischen Erkrankungen und dass wir dann halt entgegenarbeiten oder dass wir den Patienten zeigen, so musst du üben, damit es so lange wie möglich vielleicht gut bleibt.
Das wird halt gut angenommen von den Patienten. Patienten müssen natürlich auch ganz viel zu Hause machen, weil von 14 Tagen bei uns in der Klinik ist kein Rheuma so eingestellt, dass es halt wirklich gut und lange bleibt, wie es ist, sondern Patienten müssen physiotherapeutisch, übungstechnisch, Hausaufgaben haben, vielleicht Bandagen tragen, vielleicht Schienen tragen, einfach Verhaltensweisen ändern, Stress reduzieren, einfach Risikofaktoren minimieren.
Aber dafür müssen sie halt informiert sein darüber. Was kann ich machen? Was kann mir passieren?
Wie kann ich es vielleicht ändern?
Julia Nogli: Sind Sie da speziell ausgebildet oder sind Sie auch Physiotherapeutin und mit so einer Fortbildung oder?
Anja Biebrach: Es sind zwei verschiedene Berufe, tatsächlich die Ergotherapie ist ein Beruf und die Physiotherapie ist ein anderer Beruf. Also wir Ergotherapeuten haben halt das Handwerk dabei, haben ganz viel Hilfsmittelsachen dabei, wo wir halt wirklich schauen. Ich denke mal, das Ziel von beiden Therapien ist, den Patienten wieder ins Leben zu bringen und wieder einfach zur Arbeit zuzuführen oder halt zu einer guten Lebensqualität.
Wir haben unterschiedliche Maßnahmen, unterschiedliche Mittel und vielleicht ein kleines bisschen einen anderen Ansatz, dass wir halt eher so auf die alltäglichen Dinge des Lebens nochmal schauen. Aber das verschwimmt immer mehr.
Julia Nogli: Das denke ich auch. Und früher hatte ich auch eher verstanden, dass es eben dieses wieder arbeitsfähig sein, aber sie sagen eben schon alltagsfähig, dass man zu Hause sich was kochen kann, was greifen kann und so weiter. Die Hand spielt eine große Rolle, Handtherapie.
Inwiefern spielt es so eine große Rolle bei Ihnen im Hause und was bedeutet das?
Anja Biebrach: Also die Ergotherapie ist auch zum großen Teil der Handchirurgie unterstellt und die Rheumatologische Handchirurgie ist halt nochmal ein bisschen anders als die Unfallchirurgie, ist halt noch ein bisschen expliziter. Und wir haben viele Operationen, wo halt einfach Gelenke gesichert werden, Gelenke wiederhergestellt werden, wo halt auch Ersatzgelenke eingebaut werden, auch gerade in den Fingern. Und die Hand ist ja sehr komplex.
Ich meine, für alles braucht man die Hand. Ob man morgens aufsteht, was man macht, man zieht sich an, man geht seinen Hygienedingen nach, man möchte sich was für Essen machen, man möchte was trinken. Die meisten Patienten kommen und sagen, meine Handkraft lässt nach, ich kriege meinen Schlüssel nicht mehr ins Schloss, ich kriege die Tür nicht mehr auf und mir fällt das Glas und das Geschirr nach unten.
Und das sind die Sachen, wo wir halt ansetzen können und wo wir schauen. Es gibt halt viele konservative Sachen, die wir im Vorfeld machen können, zum Beispiel Funktionsorthesen bauen für die Patienten, dass sie bessere Greiffunktionen haben, viel besser im Leben halt auch wieder anfassen können. Aber wenn das halt nicht mehr funktioniert, kommt die Handchirurgie und auch die Beinchirurgie ins Spiel, wo halt verlorengegangene Funktionen einfach dadurch wieder verbessert werden können.
Und dann kommen wir wieder dazu, dass wir den Patienten beistehen und helfen, diese neu gewonnene Funktion oder diese veränderte Funktion wieder lernen, im Alltag zu integrieren und damit zu leben.
Julia Nogli: Herr Hirnich, kann es auch sein, dass eine Patientin, ein Patient sowohl Physiotherapie erfährt als auch Ergotherapie?
Malte Hirnich: Ja, das ist eigentlich fast gang und gäbe, wenn sie dann halt wirklich auch ein Problem haben an der oberen Extremität, dass sie halt neben der Physiotherapie auch die Ergotherapie haben.
Julia Nogli: Ja, das greift Hand in Hand. Und jetzt an Sie nochmal die Frage. Also Sie sind ja praktisch Physiotherapeut und dann haben Sie aber trotzdem von den ganz großen Gelenken, von der künstlichen Hüfte und dem, was danach zu tun ist, eine ganze Bewegung muss wieder in Gang kommen, bis auch zu kleineren Gelenken.
Oder ist hier auch der Unterschied, dass das Feinere in der Ergotherapie ist? Oder haben Sie auch mit diesen ganz kleinen Geschichten zu tun?
Malte Hirnich: Wir haben natürlich auch mit den ganz kleinen Geschichten zu tun. Es gibt halt gewisse Bereiche, wo wir sagen, das kann die Ergotherapie wesentlich besser und dann verweisen wir die Patienten auch immer halt zu Ergotherapie. Und dann sind wir auch sehr glücklich, weil dann können wir uns halt wirklich auf die großen Gelenke fokussieren, konzentrieren und dann alles, was halt so daily, feinmotorische Sachen sind, das wäre halt dann wirklich dann besser bei der Ergotherapie aufgehoben.
Aber wenn es dann zum Beispiel um Kraftaufbau geht, dann sind sie auf jeden Fall bei uns an der richtigen Stelle.
Julia Nogli: Und Sie wirken noch recht jung, aber haben schon auch viel Erfahrung, denke ich, in diesem Beruf. Gibt es so Dinge, wo Sie selber immer überrascht sind, wie schnell da jemand zum Beispiel wieder gehen kann, nach einer Hüft-OP zum Beispiel oder so weiter, wo Sie echt denken, das ist immer wieder erstaunlich oder die Patienten selber?
Malte Hirnich: Die Patienten vor allem, also ich nicht mehr so. Also ich bin ja schon ein bisschen länger im Beruf drin. Die Patienten sind halt sehr erstaunt, vor allem halt mit den neuen Konzepten, den neuen Verfahren, die entwickelt werden, dass sie halt rein theoretisch eigentlich, wenn sie operiert wurden, zumindest wenn sie nach dem Standardprozedere, das nenne ich es mal, operiert wurden, dass sie eigentlich dann direkt nach der OP, wenn sie wieder aufgewacht sind, aufstehen können und an sich auch rumlaufen können. Davon sind die meisten halt immer so ein bisschen überrascht oder zumindest einige sind überrascht, sind aber auch ganz glücklich, weil sie halt dadurch wieder selbstständiger werden. Und dann haben wir wieder den richtigen Schritt gemacht, dass sie halt lernen, mehr in die Selbstständigkeit wieder zu gehen.
Julia Nogli: Und Sie können dafür sorgen, dass auch Vertrauen da ist, dass die dann praktisch also mir würde es selber so gehen, ich würde mich ja erst mal gar nicht trauen, aufzutreten, auch mit so einem Knie oder so. Aber Sie können ihnen das nehmen, diese Angst, ja?
Malte Hirnich: Genau, das ist dann unsere Aufgabe, dass wir ihnen dann die Angst nehmen, dass wir ihnen zeigen, schauen Sie mal, wir sind zwei da am Anfang immer noch, laufen mit Ihnen gemeinsam, das heißt, Sie sind nicht alleine, Sie müssen nicht direkt alles von selbst machen, sondern wir sind dafür da, dass wir Ihnen so ein bisschen die Angst nehmen, Ihnen zeigen können, wie können Sie vielleicht irgendwas leichter machen, wenn Sie zum Beispiel das erste Mal im Bett mobilisieren müssen.
Wir liegen dann da und wissen, was kann ich bewegen, wie kann ich mein Bein überhaupt bewegen und wir sind dann da, schauen Sie mal, davon das geht, versuchen Sie es mal so, dass Sie mit dem anderen Bein sich behilflich sind. Da gibt es dann Tipps und Tricks von uns.
Julia Nogli: Und erklären Sie auch, Frau Biebrach hat gerade so von dieser Patientenaufklärung gesprochen, weil es geht ja auch darum, dass jemand nach so einer OP dann vielleicht denkt, das hält alles noch nicht, das ist noch nicht fest. Aber Sie beraten dann auch, dass es Ihnen doch sehr wohl schon hält.
Malte Hirnich: Alles in dem Rahmen, wie wir halt beraten können. Ansonsten müssen wir halt auf die Ärzte verweisen, weil die halt die OP durchführen. Aber ansonsten halt beraten wir sie natürlich auch in gewissen Bereichen.
Julia Nogli: Frau Biebrach, Sie haben das eben schon gesagt, Patientenaufklärung gehört auch so ein bisschen dazu und auch mitmachen. Das reicht ja nicht, wenn jemand, so wie ich mir das vorstelle, nach einer OP da vielleicht ein, zwei Wochen stationär liegt und Sie machen dann Übungen mit demjenigen und dann denkt er, jetzt ist alles wieder gut. So ist es nicht.
Anja Biebrach: Leider bleiben die Patienten auch gar nicht so lange. Also oftmals nach einer Operation, auch gerade nach einer Handoperation, ich weiß nicht, sonst bleiben die ein, zwei Tage. Das ist so ein bisschen auch den Krankenkassen geschuldet.
Also die können halt maximal eine Woche. Es gibt eine Komplextherapie, wo sie ein bisschen länger bleiben können. Aber in der Regel sind die Patienten nach zwei Tagen wieder weg.
Das heißt, wir müssen den Patienten ganz schnell zeigen, was kann ich, was darf ich, was soll ich schon machen, was soll ich nicht machen? Das ist ja auch ganz wichtig. Nach manchen Operationen darf man einige Sachen ja auch nicht tun.
Aber es ist halt ganz wichtig, dass der Patient halt mitmacht. Die eine Seite ist, wir sagen immer 30 Prozent sind die Operation, 30 Prozent ist die Therapie, 30 Prozent ist der Patient selber und 10 Prozent ist Schicksal. Also wie heilt die Narbe, wie verhält es alles, wie ist die Blutungssituation?
Das sind so Sachen, die können wir nicht beeinflussen. Aber was ganz wichtig ist, natürlich der Therapeut, der da ist, der sagt, das darfst du, das musst du, das solltest du tun und der die Sicherheit gibt, wie Sie ja vor uns gerade schon gesagt haben. Aber halt ist ganz wichtig, dass der Patient seine Narbe pflegt, wirklich auch bewegt, dass er sich traut, dass die Schmerzen auch wirklich wieder besser weggehen, passiert halt oftmals durch Bewegung.
Das heißt, wir brauchen immer den Patienten dazu.
Julia Nogli: Und Schmerzen gehören manchmal auch da weiter noch dazu, auch bei der Bewegung. Aber das ist dann trotzdem wichtig, die zu machen. Das können Sie dann auch vermitteln, denke ich.
Anja Biebrach: Es soll halt ein moderater Schmerz sein.
Julia Nogli: Also es ist halt ein Schmerz.
Anja Biebrach: Wir gucken bis zur Bewegungs-, bis zur Schmerzgrenze hin und dann schauen wir weiter. Also der sollte moderat, je mehr die Bewegung kommt, umso mehr sollte der Schmerz nach unten gehen natürlich. Aber natürlich, es ist frisch operiert, es ist eine Wunde.
Das tut halt einfach weh. Das kennt man ja selber von sich, wenn man sich beim Gemüse schneiden schneidet, der Finger ist sofort draußen und man will den nicht bewegen.
Julia Nogli: Ja, genau. Und gibt es sogar auch Konstellationen oder Zustände, wo man dann vielleicht ein Leben lang, also z.B. gerade bei Rheuma oder so, bestimmte Dinge beibehalten sollte? Bestimmte Übungen oder so was oder Haltung?
Anja Biebrach: Ich denke schon. Also es ist ja für den ganzen Körper auch wichtig, einfach unterwegs zu sein und einfach in Bewegung zu sein, weil Bewegung macht ja auch das ganze Leben aus. Und natürlich, wenn irgendetwas gebremst wurde durch eine Veränderung, ist es natürlich total toll, immer weiter zu üben, oder was meinst du?
Malte Hirnich: Absolut. Und ich finde, das ist, was ich dem Patienten immer so gerne sage, es gibt so ein schönes deutsches Sprichwort. Wer rastet, der rostet.
Das verdeutlicht es eigentlich sehr gut. Natürlich gibt es bestimmte Bereiche, wie Frau Bierbach es vorhin gesagt hat, dass wenn wir uns in den Finger schneiden, dass wir dann sagen, den Finger will ich erstmal nicht bewegen. Ja, natürlich, das ist normal.
Das ist ein Schutz der betroffenen Stelle. Allerdings, wenn wir es jetzt monatelang halt nicht mehr bewegen würden.
Anja Biebrach: Hast du einen steifen Finger.
Malte Hirnich: Genau, das wäre echt doof. Deswegen, also an sich ist es halt so super wichtig, dass man in Bewegung bleibt und ein Leben lang.
Julia Nogli: Ja, und auch vielleicht die Übungen weitermacht, die wieder so zeigen, warum denn nicht. Also die hat man dann gelernt. Da weiß man, die sind für mich richtig, dann, dass man das einfach weiter praktiziert, weil die Leute können ja nicht noch mal zu Ihnen zurück.
Die gehen dann entweder in die Reha oder eben woanders hin.
Anja Biebrach: Also die Menschen, die operiert sind, kommen meistens vielleicht mit einer anderen Operation nochmal. Aber die konservativ versorgten Patienten, die dürfen natürlich auch wiederkommen. Wir sind in erster Linie ein Krankenhaus mit einer relativ hohen Therapiedichte.
Das heißt, wenn der Rheumatiker das nächste Jahr, wenn das Medikament vielleicht nicht mehr so gut funktioniert oder halt mehr Schmerzen sind oder die generelle Situation. Wir werden ja alle auch nicht jünger. Die ganze Situation, sich etwas geändert hat, kann ja genauso wieder zu einer Komplextherapie kommen.
Und dann guckt man halt, wo steht der Patient? Und geht ja auch nicht nur um Patienten, was sie gerade sagt mit der Bewegung. Das geht uns ja auch so, obwohl wir keine Grunderkrankung haben.
Wir müssen ja auch etwas tun, dass unser Körper fit bleibt.
Julia Nogli: Absolut.
Anja Biebrach: Und dafür ist Bewegung ja total wichtig.
Julia Nogli: Herr Hirnich, ich habe es jetzt gar nicht am Anfang gefragt, aber warum sind Sie Physiotherapeut geworden und was bedeutet Ihnen dieser Beruf? Macht Ihnen immer noch Spaß?
Malte Hirnich: Auf jeden Fall. Ich habe das, glaube ich, gemacht, weil meine Mutter ein Problem mit ihrem Knie hatte. Und dann war sie irgendwann bei der Physiotherapie und dann ging es ihr besser.
Und dann fand ich es irgendwie spannend, dass sie nach einer gewissen Zeit eigentlich keine Beschwerden mehr hatte. Da war ich, glaube ich, 14 und habe dann mit, ich will nicht lügen, 17 ein Praktikum gemacht an einer Physiotherapie-Praxis, fand das ziemlich genial, was sie da gemacht haben, durfte mitmachen bei den Gruppentherapien, durfte ich mitmachen, durfte ansonsten zuschauen bei Einzeltherapien und fand das einfach genial, was sie mit den Patienten gemacht haben und habe mich dann daraufhin beworben, die Ausbildung gemacht. Der Beruf macht mir immer noch super viel Spaß und es gibt, das klingt so ein bisschen eigennützig, aber es gibt mir so eine innere Befriedigung, wenn ich den Patienten helfen kann, sich selbst zu helfen. Und wenn ich sehe dieses Leuchten in den Augen, dass sie etwas anders verstanden haben oder etwas neu kennengelernt haben und es für sie dann so dieses Ding ist, Mann, hätte ich das mal vor Jahren gewusst oder hätte ich es mal vor Jahren gemacht, dann würde es mir so und so gehen oder aber jetzt habe ich die Möglichkeit, dass es mir wieder besser gehen würde und das ist halt für mich so dieses, das gibt mir so viel, das finde ich echt genial.
Julia Nogli: Ja, Sie sehen Erfolge, Frau Biebrach hat bei Ihnen ja noch spezielle Ergotherapie, wie sind Sie denn darauf gekommen, auch in diese spezielle Richtung zu gehen?
Anja Biebrach: Also bei mir war es tatsächlich ähnlich mit einem Familienmitglied, also der Onkel meiner Mutter hatte halt über mehrere Jahre verteilt immer wieder Schlaganfälle und war dann halt immer wieder sehr reduziert von seinem körperlichen Bewegung, auch von der Kognition, was er vom Kopf her leisten konnte und wir haben ihn halt über Jahre immer wieder begleitet und ich habe gesehen, wie die Therapeuten es doch immer wieder geschafft haben, dass er Lebensmut hatte, Lebensfreude hatte, Lebensqualität hatte, einfach durch verschiedene Therapien und die Physiotherapie habe ich halt als sehr funktionell damals kennengelernt.
Ich bin jetzt auch schon eine ganze Weile im Beruf und ich fand die Ergo halt immer spannend, weil die hat halt das Handwerk dabei. Jeder Ergo kann Korb flechten, jeder Ergo kann diverse Sachen mit dem Handwerk auch machen, da war der Schienenbau dabei, das hat mich halt einfach dieses Tun mit den Händen noch mal ein bisschen mehr gereizt und ja, ich finde es halt auch immer, wie du gerade schon sagtest, so man begleitet den Menschen halt ein Stück auf seinem Weg und sieht halt einfach, wie es sich verändert, wie der Mensch sich verändert und wie er halt auch einfach wieder ein Stück glücklicher wird und das ist halt doch total schön. Also man kann halt wirklich ganz nah ein Stück des Weges mitgehen und es ist halt der Begleiter steht daneben und der Mensch verändert sich und das ist halt schon total schön.
Julia Nogli: Dann vielen Dank an Sie beide. Zwei Menschen, die offenbar ihren Traumberuf gefunden haben und interessanterweise durch eine ähnliche familiäre Erfahrung. Infos zur Physio- und Ergotherapie im Immanuel-Krankenhaus Wannsee finden Sie bei uns auf www.paradiso.de in der Mediathek unter natürlich gesund. Dort auch die ganze Sendung noch mal zum Nachhören. Einen angenehmen und entspannten Abend für Sie mit Radio Paradiso.