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50 Jahre Pflege – ein ganz besonderes Jubiläum
Im Interview blickt Carmen Gamble auf fünf Jahrzehnte Pflege zurück, erzählt von ihren Anfängen, den Veränderungen im Berufsalltag und den vielen Menschen, die sie auf ihrem Weg begleitet haben.
Unsere Kollegin Carmen Gamble feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Dienstjubiläum im Immanuel Krankenhaus Berlin. Vor 50 Jahren begann sie ihre Ausbildung in der Pflege, arbeitete zunächst auf einer internistischen Station und wechselte später in die Naturheilkunde.
Und das Besondere: Carmen ist bis heute mit Freude dabei. Sie arbeitet gern mit Menschen, gibt ihre Erfahrungen weiter und unterstützt unser Team auch weiterhin.
Liebe Carmen, herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für 50 Jahre Engagement in der Pflege!
Wie bist du zu dem Beruf gekommen?
Auf die Idee kam ich über meinen Freund und dessen Mutter, die als Reinigungskraft in einem Krankenhaus tätig war. Sie hat sich damals sehr um mich gekümmert und mich unterstützt. Durch sie entstand der Kontakt zu diesem Berufsfeld, und die Möglichkeit einer Ausbildung zur Krankenschwester hat mich interessiert. Ja und so kam es dann dazu, dass ich im April 1976 im Urbankrankenhaus meine Ausbildung begonnen habe.
Würdest Du Dich heute noch einmal so entscheiden?
Ja, das würde ich. Es war zwar nicht immer einfach, gerade mit Kindern und Familie, aber irgendwie gab es immer eine Lösung. Manchmal habe ich sogar die Kinder mit ins Krankenhaus genommen, wenn es keine andere Betreuungsmöglichkeit gab. Sie waren bei mir auf Station, im Nachtdienst habe ich sie dann zum Schlafen in ein freies Bett gelegt. Ich habe zu dieser Zeit viele Früh- und Nachtdienste gemacht, das war am besten für unsere Familienorganisation. Die Nachtdienste sind mir aber sehr schwer gefallen, tagsüber konnte ich nicht schlafen.
Wie hat sich aus Deiner Sicht die Pflege in den letzten 50 Jahren verändert?
Also früher hatten wir viel mehr Pflegepersonal und haben mehr am Patienten gearbeitet. Das war vor der Digitalisierung und wir durften nicht mal an die Kurve ran, also die Patientenakte. Es gab lediglich ein Übergabebuch, in dem wir dokumentiert haben und den Rest haben die Leitung, also die Stationsleitung bzw. Oberschwester und ihre Stellvertretung gemacht. Visiten sind wir auch nicht mitgegangen, das hat auch nur die Oberschwester gemacht.
Zu unseren Aufgaben gehörte, Binden zu waschen und wieder aufzurollen sowie Bettpfannen zu reinigen. Viele dieser Tätigkeiten sind heute nicht mehr üblich. Einmalspritzen wurden zu dieser Zeit jedoch bereits verwendet. Auch die Betten wurden von uns gereinigt und frisch bezogen. Im Nachtdienst begann die Patientenversorgung teilweise bereits gegen 2:00 Uhr mit dem Waschen der Patientinnen und Patienten. Der Spätdienst stellte hierfür die Waschschüsseln vor die jeweiligen Zimmer, sodass ich immer wusste, was mich in der Nacht erwartet. Wir waren damals ein großes Team und haben immer gemeinsam gefrühstückt, oft auch zusammen mit den Ärztinnen und Ärzten. Insgesamt war die Atmosphäre sehr familiär. Außerdem ging es im Arbeitsalltag deutlich ruhiger zu als heute. Es war weniger hektisch, und wir hatten einfach mehr Zeit – sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch füreinander im Team.
Und wenn Ihr Vitalwerte gemessen habt? Habt ihr die ins Übergabebuch geschrieben?
Nein, die haben wir auf einen Zettel geschrieben und die Oberschwester hat es übertragen. Das war es Ende der 70er Jahre. Bis Anfang oder Mitte 80er Jahre kannte ich gar keine Kurve. Wenn jemand Temperatur hatte, dann haben wir das auch ins Übergabebuch geschrieben.
Hatte dann jeder seine Patientengruppe, so wie wir heute unsere Bereichspflege machen?
Morgens wurden die Aufgaben verteilt: Eine Person übernahm beispielsweise die Körperpflege, eine andere war für Katheterspülungen zuständig. So hatte jede und jeder einen festen Aufgabenbereich für den Tag. Die Körperpflege wurde in der Regel zu zweit durchgeführt. Dadurch entstand ein enger Kontakt zu den Patientinnen und Patienten, und kannte so jede/n ein bißchen.
Du hast gesagt, es gab mehr Personal. Wie sah beispielsweise Euer Frühdienst aus?
Wir hatten immer so um die 40 Patientinnen und Patienten auf Station. Im Frühdienst waren wir meist zu acht - eine Leitung und sieben, manchmal auch acht Schwestern. Das haben wir aber auch gebraucht, weil wir viele Pflegefälle hatten. Dafür hatten wir Zeit für unsere Patientinnen und Patienten und konnten uns wirklich um sie kümmern. Zu unseren Aufgaben gehörte nicht nur die Pflege. Wir haben auch das Essen verteilt, Brote geschmiert und Binden gerollt. Das waren damals ganz normale Tätigkeiten im Stationsalltag.
Warst Du schon immer in der Naturheilkunde?
Nein, ich habe auf einer inneren Station angefangen, bin dann aber 1981 in die Naturheilkunde gewechselt. Das hat sich damals einfach so ergeben.
Gibt es etwas, einen Moment oder eine Situation oder einen Menschen, der Dich in dieser Zeit besonders geprägt hat?
Meinen ersten Sterbefall werde ich nie vergessen. Es war ein Patient, den ich über längere Zeit betreut hatte. Als er starb war ich todtraurig Auf unserer Station im Krankenhaus Moabit hatten wir viele Krebspatientinnen und -patienten. Die Zusammenarbeit im Team war sehr gut, und wir haben die Menschen nicht nur gepflegt, sondern sie oft über einen längeren Zeitraum begleitet. In der Naturheilkunde wurden sie mit speziellen natürlichen Präparaten behandelt. Für die Chemotherapie gingen sie dann eine Etage höher in die Onkologie. Viele haben die Chemotherapie durch diese vorbereitenden Behandlungen deutlich besser vertragen.
Hat sich die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen geändert?
Ja, wir hatten früher deutlich mehr Kontakt zu den Ärztinnen und Ärzten. Wir haben unsere Pausen zusammen gemacht. Die Ärztinnen und Ärzte waren häufiger und länger auf der Station präsent, außerdem gab es weniger Personalwechsel, sodass man sich gut kannte und über viele Jahre zusammenarbeitete.
Heute begegnen sich Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte stärker auf Augenhöhe. Früher waren die Hierarchien deutlich ausgeprägter. Vor der Chefarztvisite musste die Station besonders sorgfältig vorbereitet werden: Die Betten wurden gerichtet, die Zimmer aufgeräumt und sogar frisches Wasser für die Blumen bereitgestellt. Diese Visite war fast heilig und da durfte auch nur die Oberschwester mit.
Bei all den Veränderungen hast Du Dir Deinen Ruhestand verdient. Was hält Dich noch im Beruf?
Ich habe einfach Freude an meiner Arbeit und dem Umgang mit Menschen. Außerdem ist es mir wichtig, mein Wissen und meine Erfahrungen an die jüngeren Generationen weiterzugeben. Über die vielen Jahre habe ich viel erlebt und gelernt, und dieses Wissen möchte ich gerne teilen.
Was würdest Du jungen Menschen heute mit auf den Weg geben?
Seid offen und empathisch. Habt Geduld – sowohl mit Euren Patientinnen und Patienten als auch Kolleginnen und Kollegen. Für diesen Beruf ist es wichtig, Menschen zu mögen, ihnen Zuwendung und Verständnis zu geben. Ganz wichtig: Haltet durch, auch wenn es mit den Schichten manchmal schwer ist.
Gibt es etwas worauf du besonders stolz bist?
Vor allem darauf, dass ich nach all den Jahren noch immer mit Freude dabei bin und meinen Weg gegangen bin. Außerdem bin ich dankbar, dass ich gesund geblieben bin. In den vergangenen fünfzig Jahren habe ich viele besondere und beeindruckende Menschen kennengelernt, und die Begegnungen mit ihnen haben mich sowohl beruflich als auch persönlich geprägt.
Was wünschst Du Dir für die Zukunft der Pflege?
Mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten. Gute Pflege braucht Zeit – für Gespräche, Zuwendung und eine individuelle Betreuung. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass auch im Team wieder mehr Raum für den Austausch bleibt. Ein enger Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und gute Kommunikation sind wichtig, damit die Arbeit gemeinsam gut bewältigt werden kann.
Das Interview führte Yvonne Scholz.


