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40 Jahre Engagement für Qualität und Werte – Beate Lieske im Porträt
Vier Jahrzehnte Dienst in der Pflege: Im Portrait spricht Beate Lieske auf ihre berufliche Laufbahn, welchen Wandel sie erlebt hat und ihre Wünsche für die Zukunft.
Als Beate Lieske 1986 ihren ersten Arbeitstag im damaligen Immanuel-Krankenhaus in Wannsee hatte, war sie 21 Jahre alt - und ziemlich aufgeregt. Viel Zeit, sich daran festzuhalten, blieb allerdings nicht. „Der Empfang der Kolleg*innen war so herzlich, dass sich das schnell gelegt hat“, erinnert sie sich heute.
Das Krankenhaus lag damals noch am Rand der Stadt. Potsdam war zwar geografisch nah, aber politisch unerreichbar, – einfach weiterfahren war nicht möglich. Auch die Königsstraße war deutlich ruhiger als heute. Beate Lieske begann auf der damaligen Privatstation 6, im heutigen Haus 5d am Kleinen Wannsee. Die Station war überschaubar, die Zimmer unterschiedlich geschnitten, vieles wirkte persönlicher als in modernen Klinikbauten. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die großen Terrassen. Dort konnten bettlägerige Patientinnen und Patienten, warm eingepackt, Sonne und frische Luft genießen. „Das war etwas ganz Besonderes.“
Dass dieser Ort einmal ihre berufliche Heimat werden würde, hätte sie damals allerdings nicht gedacht. „Eigentlich wollte ich immer in den Entwicklungsdienst nach Afrika gehen, was dann aus unterschiedlichsten Gründen nicht geklappt hat.“ , sagt sie. Dass Die damals konservative Orthopädie und Rheumatologie war aber ein schönes Arbeitsfeld, die Liegezeiten waren viel länger als heute und die Patient*innen kamen aufgrund der chronischen Erkrankung immer wieder, so dass die Beziehungspflege ein Teil des pflegerischen Alltags sein konntedaraus nichts wurde, wählte führte sie stattdessen in ein Arbeitsfeld, das sie nachhaltig prägen sollte: die konservative Orthopädie und Rheumatologie. Die Liegezeiten waren damals deutlich länger, viele Patientinnen und Patienten kamen wegen ihrer chronischen Erkrankungen immer wieder. „Die Beziehungspflege war ein ganz selbstverständlicher Teil unseres Alltags.“
Doch Beate Lieske interessierte sich nicht nur für den direkten Kontakt mit Menschen. Sie wollte verstehen, warum Dinge funktionierten - oder eben nicht. „Wenn etwas nicht geklappt hat, wollte ich wissen, woran das liegt und wie man es verändern kann.“ Dieser Blick auf Zusammenhänge zog sich durch ihre gesamte Laufbahn.
Verstehen, verändern, verbessern
Früh übernahm sie Verantwortung, etwa in der Anleitung von Auszubildenden. Später arbeitete sie als stellvertretende Stationsleitung eng mit Schwester Edith Oberpichler zusammen, eine der damaligen Diakonissen und Stationsleitungen. Gemeinsam begleiteten sie wichtige Veränderungen: den Umzug ins „neue Haus“, die Weiterentwicklung der chirurgischen Orthopädie und die Einführung einer systematischen Pflegedokumentation. Rückblickend sagt Beate Lieske: „Auch wenn wir es damals noch nicht so genannt haben, Qualitätsmanagement war schon längst Teil unserer Arbeit.“
Neben ihrer Tätigkeit im Krankenhaus engagierte sie sich im Berufsverband DBfK, insbesondere im Bereich gesundheitsfördernder Krankenhäuser. Dieses Engagement führte schließlich dazu, dass sie sich intensiver mit Qualitätsfragen beschäftigte und in das Qualitätsmanagement des Hauses wechselte.
Altenhilfe als bewusster Weg
Eine Entscheidung, die später für ihre berufliche Ausrichtung besonders prägend wurde, traf sie mit dem Herzen: den Schritt in die Altenhilfe. Als sich die Strukturen innerhalb der Immanuel Diakonie veränderten und sie nicht mehr gleichzeitig für mehrere Standorte zuständig sein konnte, entschied sie sich bewusst für diesen Bereich. „In der Altenhilfe muss Pflege besonders eigenständig sein. Da ist kein Arzt um die Ecke, den man sofort rufen kann.“
Die Veränderungen, die sie dort erlebt hat, waren tiefgreifend. Der Übergang vom früheren „Krankenhaus für chronisch Kranke“ im damaligen Westberlin hin zur modernen Altenpflege bedeutete einen massiven Strukturwandel. Gleichzeitig veränderten neue Finanzierungsmodelle und Prüfstrukturen die Rahmenbedingungen der Pflege grundlegend. „Der Medizinische Dienst wurde plötzlich zu einer festen Instanz, die in sämtliche Pflegeprozesse hineinschaut.“
Viele Standards, die heute selbstverständlich erscheinen, mussten damals erst entwickelt werden. „Es gab kaum standardisierte Pflegeprozesse. Diese zu erarbeiten war ein großer Teil meiner Arbeit.“ Heute hat sich vieles verändert: Digitale Dokumentation gehört längst zum Alltag. Gleichzeitig beobachtet Beate Lieske mit einem gewissen Unmut, dass Bürokratie trotz aller Entbürokratisierungsversprechen nicht unbedingt weniger geworden ist. „Neue formale Anforderungen kommen oft durch die Hintertür wieder zurück.“
Trotzdem bleibt sie optimistisch. Ein sprachgesteuertes Dokumentationssystem, das aktuell geplant wird, könnte die Arbeit der Pflegenden spürbar erleichtern. „Wenn das gelingt, kommt die Pflege wieder näher an das, worum es eigentlich geht.“
Bei aller Erfahrung hat sie sich eine Haltung bewahrt, die sie auch jüngeren Kolleginnen und Kollegen mitgibt: In stressigen Situationen innehalten. „Wenn alles hektisch wird, nützt es nichts, einfach weiterzumachen. Vielleicht ist man gerade auf dem falschen Weg.“ Dann helfe nur, kurz Abstand zu gewinnen, die Situation neu zu bewerten und notfalls noch einmal von vorne anzufangen.
Erfahrung weitergeben, Zukunft gestalten
Nach mehr als vier Jahrzehnten im Beruf blickt Beate Lieske mit großer Dankbarkeit auf ihre Laufbahn zurück. „Ich habe das große Geschenk gehabt, meine Arbeit immer als sinnstiftend zu erleben.“ Dass sie über so viele Jahre geblieben ist, führt sie auch auf die Freiheit zurück, Dinge gestalten zu können. „Ich durfte immer so sein, wie ich bin. Das ist nicht selbstverständlich.“
Mit 61 Jahren rückt der Ruhestand zwar langsam näher, doch aktuell steht für sie vor allem eine andere Aufgabe im Vordergrund. In der Organisation verändern sich Strukturen, neue Kolleginnen und Kollegen kommen hinzu, neue Verantwortlichkeiten entstehen. Für Beate Lieske ist klar, was sie in dieser Phase beitragen möchte: „Es gibt so viel Wissen aus all den Jahren, das nirgends aufgeschrieben ist. Das möchte ich weitergeben.“
Ihr Wunsch für die Zukunft des Unternehmens ist ebenso schlicht wie anspruchsvoll: mehr Zusammenhalt, mehr gemeinsame Prozesse - und gelebte Werte auf allen Ebenen. „Von der Geschäftsführung bis zu den Mitarbeitenden, die täglich mit den Menschen arbeiten, die uns anvertraut sind.“
Und vielleicht ist genau das das Fazit nach mehr als 40 Jahren im Dienst der Pflege: Vertrauen. In die Menschen, in die gemeinsame Arbeit und in die Zukunft.



