Naturheilkundliche Pflege

Die integrative Pflege führt die klassischen und die naturheilkundlichen Methoden zusammen. Es wird für den einzelnen Patienten die optimale Methode gesucht und angewendet. Die Pflegekräfte können beide Bereiche professionell durchführen.

Welche Philosophie steckt hinter der naturheilkundlichen Pflege?

Sieh den Menschen mit all seinen unterschiedlichen Facetten in seiner Ganzheit. Der komplexe Organismus unseres Körpers muss erst Verstanden werden, um die richtigen Maßnahmen zu finden. Die Integrative Pflege ist das Besondere.

Vielen Menschen ist der Wickel oder das Fasten lieber als viele Tabletten einnehmen zu müssen. Ziel ist es, den Körper und den Geist mit natürlicher und/oder klassischer Pflege in Einklang zu bringen und somit die Beschwerden zu lindern.

Was sind typische naturheilkundliche pflegerische Anwendungen?

Es gibt eine Vielzahl von naturheilkundlichen Methoden für die verschiedenen Beschwerden und Krankheitsbilder. Bei Schmerzen kommt etwa der sogenannte Zappsack, oder die Nadelreizmatte zur Anwendung. Bei Erkältungsbeschwerden haben sich zum Beispiel Ölauflagen mit Lavendel oder Eukalyptus bewährt. Der Einsatz von Blutegel als ausleitendes Verfahren zählt ebenso zu den Naturheilkundlichen Verfahren. Bei vielen Beschwerden bzw. Erkrankungen nutzen wir ergänzend die Teetherapie.

Der „Zappsack“
Der Zappsack ist eine Naturkompresse mit einer rein organischen Füllung, deren Rezeptur auf einem traditionellen, asiatischen Hausrezept beruht.
Im Gegensatz zu einem Kirschkernkissen, welches trockene Wärme abgibt, befinden sich in dem Zappsack die wohltuenden Ingwerextrakte und drei Getreidesorten.

  • Ingwerextrakte setzen ätherische Naturaromen frei, welche erwärmend und durchblutungsfördernd wirken.
  • Hafer speichert und gibt Feuchtigkeit ab.
  • Weizen gibt intensive Wärme ab.
  • Gerste ist verantwortlich für einen Massageeffekt.

Der Zappsack erreicht bei der Wärmeanwendung eine wohltuende Durchblutungssteigerung im tiefen Gewebe und entspannt. Die aufströmende leicht feuchte Wärme beruhigt und harmonisiert das innere und äußere Gleichgewicht. Bei akuten Entzündungen wird der Zappsack kalt angewendet.

Die Nadelreizmatte
Die Nadelreizmatte ist eine gute Methode bei Rückenschmerzen im Hals-, Brust- und Lendenwirbelbereich, die auf Fehlhaltung, Muskelverspannung oder Gelenkblockaden zurückzuführen sind, menstruations- und prostatabedingten Bauch- und Rückenschmerzen, Spannungskopfschmerzen und Migräne. Als wirksam erwiesen hat sich die Nadelreizmatte auch bei funktionell bedingten Magen-Darm-Krämpfen, chronischen Verdauungsstörungen verschiedener Genese und allgemeinen Erschöpfungszuständen.

Die Nadelreizmatte steigert die Durchblutung und Mikrozirkulation in Haut und Untergewebe (lokaler Wirkmechanismus). Sie reizt und stimuliert zudem Akupunktur-Punkte und Reflexzonen (segmentaler und reflektorischer Wirkmechanismus). Darüber hinaus aktiviert und normalisiert sie das Nervensystem (vegetativer Wirkmechanismus). Eine der wichtigsten Wirkungen der Nadelreizmatte ist das Anregen der Produktion körpereigener Schmerzstiller und das Blockieren von Schmerzimpulsen (biochemischer und schmerz-physiologischer Wirkmechanismus).

Ölauflagen
Das ätherische Öl wird vom fetten Trägeröl in seiner beruhigenden, entspannenden und entkrampfenden Wirkung ergänzt. Ätherische Öle sind im Hautfett löslich, gelangen in die Blutbahnen und wirken gleichzeitig über den Geruchssinn. Die verschiedenen Ölzusätze eignen sich für unterschiedliche Einsatzgebiete:

Lavendelölauflagen (im Bereich des Brustbeins) bei

  • Angst
  • Anspannung
  • Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Husten
  • Bronchitis

Kümmelölauflagen (im Bauchbereich) bei

  • Blähungen
  • krampfartige Beschwerden

Eukalyptusauflagen (im Harnblasenbereich) bei

  • Postoperativer Harnverhalt
  • Beschwerden bei Blasenentzündungen

Blutegeltherapie
Die Blutegeltherapie soll im Sinne eines „ausleitenden Verfahrens“ zur „Entgiftung“ von krankem Gewebe, Blut und Lymphe führen. Außerdem soll sie die „Blutreinigung“ und „Bluterneuerung“ anregen und somit zur Schmerzlinderung und Steigerung der Beweglichkeit dienen. Die Indikationen für eine Blutegeltherapie gliedern sich in 3 Gruppen:

Venöse Erkrankungen:

  • akute venöse Phlebitis
  • akute oberflächliche Thrombose
  • chronische symtomatische venöse Insuffizienz durch Varikosis und postthrombotischen Beschwerdekomplex

Bewegungsapparat:

  • Gelenkarthrosen (Schulter, Nacken, Ellenbogen, Wirbelsäule, Hüfte, Knie und kleinere Gelenke (Hand oder Fuß)
  • Rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie

Allgemeine Indikationen:

  • Hörsturz
  • Tinitus
  • Otitis media
  • Abzess
  • Hämatom
  • Herpes Zoster

Weißlichttherapie
Viele Menschen klagen in der lichtarmen Jahreszeit über Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit und sinkende Leistungsfähigkeit, daneben häufig auch über steigenden Heißhunger auf Kohlenhydrate und infolge dessen über Gewichtszunahme. Diese leicht depressiven Stimmungslagen werden als saisonal abhängige Depressionen (SAD) bezeichnet. Die Ursache ist oft Lichtmangel. Das Tageslicht wird vom Auge aufgenommen und als Nervenimpuls an das Gehirn weitergeleitet. Dort werden Hormone freigesetzt, die Schlafrhythmus und Gefühlsleben beeinflussen.

Erhält der Körper zuwenig Licht, wird vermehrt das den Schlaf begünstigende Hormon Melatonin und weniger das stimmungsaufhellende Hormon Serotonin produziert. Dadurch wird die Stoffwechselaktivität reduziert und die Laune sinkt. Mit regelmäßigen „Tageslichtduschen“ kann man die Ursache des Lichtmangels beseitigen. Der Hormonhaushalt wird durch die Bestrahlung mit Tageslicht normalisiert, und damit das allgemeine Befinden verbessert. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind:

  • nicht-saisonale Depression
  • Schlafstörungen
  • Allgemeine Befindlichkeitsstörungen
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Schichtarbeitersyndrom
  • Jet-Lag-Syndrom

Welche Pflegekraft kann integrativ pflegen?

Pflegekräfte in der naturheilkundlichen Pflege sollten bestimmte Eigenschaften mitbringen:

  • sehr gute Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und den Arbeitskollegen
  • ganzheitliche Beobachtung mit besonderer Umsicht, „immer ein Ohr“ für die Patienten/Angehörigen haben
  • offen für vorhandene und neue naturheilkundliche Anwendungen
  • wissensdurstig, kreativ, teamfähig und dynamisch
  • Eigenverantwortlichkeit und selbständiges Handeln
  • Einbringung neuer Ideen, Motivation auch für Sonderaufträge (Standbetreuung z. B. am Tag der offenen Tür, Mitarbeit an Studien, Öffentlichkeitsarbeit)

Wo und wie lernt man das?

In der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung ist es in Deutschland noch nicht flächendeckend im Curiculum intigriert. Es gibt Zusatzausbildungen, die wir als Gesundheits- und Krankenpfleger anschließend z. B. berufbegleitend absolvieren können. Noch wichtiger als die Theorie ist aber die Erfahrung. Duch die längere Tätigkeit über mehrere Jahre „wächst“ man in die Idee der naturheilkundlichen Betreuung hinein. Um die Vielfalt unserer verschiedenen Anwendungen einschätzen zu können, braucht man einfach Zeit.

Welche Voraussetzungen braucht man?

Generell ist die 3-jährige Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung Voraussetzung, um sich in der naturheilkundlichen Pflege zu spezialisieren. Eine Zusatzqualifikation für Naturheilkunde ist dabei selbstverständlich von Vorteil.

 
 
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