Thermotherapie

Bei Behandlungen in der Thermotherapie steht die Wirkung der Temperatur im Vordergrund. Hierbei werden sowohl Kälte als auch Wärme genutzt.

Kälteanwendungen

Eis ist eine unterstützende und vorbereitende Maßnahme für die krankengymnastische Behandlung. Eis wird eingesetzt in Form von Eisabreibung, Eistauchbad, Eispacks unter anderem zur Schmerz- und Stauminderung bei akut entzündlichen Gelenken oder bei frischen Verletzungen, zur Entzündungshemmung, zur Tonuserhöhung der Muskulatur und bei schlaffen Lähmungen. Die Maßnahmen sollen je nach Art der Durchführung:

  • die Durchblutung fördern,
  • Ver- beziehungsweise Fehlspannungen in Muskulatur und Bindegewebe positiv beeinflussen,
  • tonussenkend oder aufbauend, je nach Technik, und
  • schmerzlindernd wirken.

    Besondere Anwendungsformen sind die 2-Phasen-Ganzkörpertherapie und die Kältekammeranwendungen. Kryojet ist eine Eisanwendung, die besonders bei Rheuma eingesetzt wird. Dabei wird flüssiger Stickstoff verdampft und über die zu behandelnden Körperregion geblasen. Die Kältekammer wird ebenfalls als Behandlungsart bei Rheuma eingesetzt. Der Patient betritt dabei kurzzeitig eine auf bis zu -110 Grad Celsius gekühlte Kammer. Der kurze Aufenthalt in genau temperierter trockener Kaltluft schafft Linderung bei Krankheitsbildern wie Gelenkentzündungen (Polyarthritis), unterschiedlich bedingten Muskelentzündungen und chronischen Weichteilschmerzen wie etwa dem Fibromyalgie-Syndrom.

Kältetherapie bei 95 Prozent der Schmerzpatienten erfolgreich

Das Prinzip der Behandlung beruht dabei insbesondere auf der Anwendung eines intensiven Reizes auf einer großen Hautoberfläche, wodurch im Körper zahlreiche schmerz- und entzündungshemmende Mechanismen in Gang gesetzt werden. Hinzu kommt die Wirkung durch die Kälte selbst, also durch Abkühlung des Gewebes, die aber nur die Haut und oberflächliche Strukturen betrifft. Keinesfalls kommt es zur Abkühlung des ganzen Körpers, dieses wird durch Regelungsmechanismen des Körpers verhindert.

»Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass wir 95 Prozent der Schmerzpatienten mit der Kältetherapie helfen können.«
(Frank Ruppenthal, Abteilungsleiter Physiotherapie)

Die Kälte wirkt dabei so intensiv auf den ganzen Körper, dass Schmerzempfindungen danach über Stunden deutlich gemindert werden. In diesem Zustand sind physiotherapeutische Maßnahmen und Bewegungen möglich, die vorher nicht durchführbar waren. Die Kältetherapie schafft so ein deutlich verbessertes Lebensgefühl für die Betroffenen und hilft, schmerzlösende und entzündungshemmende Medikamente, insbesondere Antirheumatika, einzusparen. Viele Menschen berichten, dass sie sich nach ihrem ersten Kälteerlebnis viel freier bewegen können. Die Ganzkörperkältetherapie steigert die Leistungsfähigkeit und verbessert das Allgemeinbefinden.

Klinische Studien zur Kältetherapie
Klinische Studien zeigen, dass die Kältetherapie in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen, aber auch von Atemwegs- und Hauterkrankungen hochwirksam ist. Selbst Migräne und Depressionen können damit behandelt werden.

Voraussetzungen für Ganzkörperkältetherapie
Die Ganzkörperkältetherapie ist bei strenger Beachtung einiger Voraussetzungen sicher und praktisch nebenwirkungsfrei. Ob die Behandlung für Sie geeignet ist stellt Ihr behandelnder Arzt bei der Aufnahmeuntersuchung fest. Zudem erfolgt vor jeder Behandlung eine kurze Untersuchung durch den zuständigen Physiotherapeuten, wobei u.a. eine Blutdruckmessung erfolgt. Während der Therapie in der Kältekammer kommt es häufig zum Anstieg des Blutdrucks, die aber bei normalen Ausgangswerten nicht gefährlich ist. Ist der Blutdruck allerdings schon vor der Behandlung deutlich erhöht, sollte sicherheitshalber keine Ganzkörperkältetherapie erfolgen.

Ablauf einer Anwendung in der Kältekammer

Um eine optimale Wirkung des Kältereizes auf einer möglichst großen Körperoberfläche zu ermöglichen, sollten Sie während der Behandlung nur Badebekleidung tragen. Zudem werden die besonders kälteempfindlichen Ohren, die Nase, Hände vor Kälteschäden geschützt durch Stirnband, Mundschutz und Handschuhe. Zum Schutz der Füße ziehen Sie bitte warme Socken und feste Schuhe an. Sollte es trotzdem zu Hautreizungen durch die Kälteanwendung kommen, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Stationsarzt.

Die Patienten kommen durch eine drei Quadratmeter große Vorkammer mit minus 60 Grad Celsius in die vier Quadratmeter große Hauptkammer mit minus 110 Grad Celsius. Die Behandlungszeit liegt zwischen zwei bis drei Minuten. Während dieser Zeit sollen sie sich langsam in der Kältekammer bewegen. Zu schnelle Bewegungen mit Armen und Beinen sorgen für eine zu starke lokale Abkühlung und sollten unbedingt vermieden werden. Zudem ist es wichtig, ruhig zu atmen.

Vom Vorraum aus steuert ein Physiotherapeut die Technik über eine Konsole mit einer Gegensprechanlage. Über diese hält er Kontakt mit den Patienten, gibt ihnen Hinweise zur richtigen Bewegung und sagt ihnen, wie viel Zeit sie schon geschafft haben. Die Türen sind jederzeit auch von innen zu öffnen.

Aufgrund der meist sofort einsetzenden schmerzlindernden Wirkung der Kältetherapie sind anschließend physiotherapeutische Maßnahmen und Bewegungen möglich, die vorher nicht durchführbar waren. Erst nach der spürbaren Wiederaufwärmung sollten Sie etwas ruhen. Bis zwei Stunden vor und nach der Kältekammerbehandlung sollten keine Wärme- oder Wasseranwendungen erfolgen. Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben, wenden Sie sich bitte an uns oder Ihren Arzt.

Wärmebehandlung feucht und trocken

Wärme ist eine unterstützende und vorbereitende Maßnahmen für die krankengymnastische Behandlung. Wärme und Hitze werden eingesetzt in Form von heißen Rollen, Fango, Naturmoor, Rotlicht und von Heißluft. Wärme wird eingesetzt

  • zur Tonussenkung der Muskulatur bei starken Verspannungen
  • zum Ödemabbau bei schmerzhaften Muskelansatzreizen und chronischen Schwellungen
  • zur Durchblutungssteigerung

Im akuten Entzündungsstadium wird grundsätzlich keine Wärme angewandt. Die Maßnahmen sollen je nach Art der Durchführung

  • die Durchblutung fördern
  • Ver- und Fehlspannungen in Muskulatur und Bindegewebe positiv beeinflussen
  • tonussenkend oder aufbauend wirken, je nach der angewandten Technik
  • schmerzlindernd

wirken. Besondere Anwendungsformen sind Naturfango und Parafinfango. Naturfango wird aus vulkanischem Gesteinsmehl auch in Deutschland hergestellt. Es besitzt eine weiche Konsistenz und wird großflächig aufgetragen und nur einmalig verwendet. Meist wird Naturfango nur in großen Badeabteilungen abgegeben.

Parafinfango oder Moorparafin ist eine Mischung aus natürlichem Fango oder Moor, welches mit Parafinwachs versetzt ist. Dies verleiht der Packung in warmen Zustand eine weich formbare Konsistenz, die sich jedoch bei Abkühlung verändert. Das Parafinfango oder Moorparafin wird in flüssigem Zustand auf Trägerbleche aufgetragen und später bei Erreichen der Anwendungstemperatur von cirka 50-55 Grad auf die zu behandelnden Körperabschnitte aufgetragen.

 
 
 
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Ansprechpartner

  • Frank Ruppenthal
    Abteilungsleitung Physiotherapie am Immanuel Krankenhaus Berlin, Standort Berlin-Wannsee

    Immanuel Krankenhaus Berlin
    Königstraße 63
    14109 Berlin-Wannsee
    T 030 80505-310
    F 030 80505-288
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  • 26 März 2019
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