Thermotherapie

Bei Behandlungen in der Thermotherapie steht die Wirkung der Temperatur im Vordergrund. Hierbei werden sowohl Kälte als auch Wärme genutzt.

Anwendung von Fango und Natumoor

Fango und Naturmoor sind reine Naturprodukte, die seit langem als Wärme- und manchmal auch als Kälteanwendungen verabreicht werden. Fango ist vulkanisches Gestein, welches beispielsweise in der Eifel oder aber auch auf der sizilianischen Halbinsel gefunden und abgebaut wird. Es wird dann fein gemahlen, als Naturfango gereinigt und mit Feuchtigkeit versetzt als Schlamm angewandt.

Eine andere Form stellt das Fangoparaffin dar. Dabei wird das Gesteinsmehl mit Paraffin vesetzt und erhält damit eine wachsähnliche Konsistenz. Es kann nun erhitzt und verflüssigt werden. Es wird dann nach einer Abkühlungsphase als noch weiche, modellierbare Masse in Plattenform angewandt. Das Fangoparaffin wird im Gegensatz zum Naturfango nach einer Anwendung sterilisiert und mehrfach verwendet.

Naturmoor wird in Moorgebieten beispielsweise im Allgäu gestochen. Es kann nun ebenfalls in Schlammform oder als Moorbäder angewandt werden. Eine häufige Anwendungsform sind aber auch einmal verwendbare Naturmoorkompressen. Hierbei handelt es sich um fest gepresstes Naturmoor, welches mit einer durchlässigen Vliesschicht überzogen ist und ebenfalls direkt auf den Körper aufgetragen wird. Naturmoor kann über die rein thermische Wirkung auch eine Wirkung aus den restlichen Pflanzenbestandteilen erzielen, die darin enthalten sind. Es wird daher beispielsweise auch bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt.

Kälteanwendungen

Eis ist eine unterstützende und vorbereitende Maßnahme für die krankengymnastische Behandlung. Eis wird eingesetzt in Form von Eisabreibung, Eistauchbad, Eispacks unter anderem zur Schmerz- und Stauminderung bei akut entzündlichen Gelenken oder bei frischen Verletzungen, zur Entzündungshemmung, zur Tonuserhöhung der Muskulatur und bei schlaffen Lähmungen. Die Maßnahmen sollen je nach Art der Durchführung:

  • die Durchblutung fördern
  • Ver- beziehungsweise Fehlspannungen in Muskulatur und Bindegewebe positiv beeinflussen
  • tonussenkend oder aufbauend, je nach Technik, und
  • schmerzlindernd
    wirken. Besondere Anwendungsformen sind Kryojet und Kältekammeranwendungen. Kryojet ist eine Eisanwendung, die besonders bei Rheuma eingesetzt wird. Dabei wird flüssiger Stickstoff verdampft und über die zu behandelnden Körperregion geblasen. Die Kältekammer wird ebenfalls als Behandlungsart bei Rheuma eingesetzt. Der Patient betritt dabei kurzzeitig eine auf bis zu -110 Grad gekühlte Kammer.

Ganzkörper-Kältetherapie

Das Prinzip der Behandlung beruht dabei insbesondere auf der Anwendung eines intensiven Reizes auf einer großen Hautoberfläche, wodurch im Körper zahlreiche schmerz- und entzündungshemmende Mechanismen in Gang gesetzt werden. Hinzu kommt die Wirkung durch die Kälte selbst, also durch Abkühlung des Gewebes, die aber nur die Haut und oberflächliche Strukturen betrifft. Keinesfalls kommt es zur Abkühlung des ganzen Körpers, dieses wird durch Regelungsmechanismen des Körpers verhindert.

Immanuel Krankenhaus Berlin - Abteilung Physiotherapie - Thermotherapie - Cryotherapie - Kältekammer - Bedienterminal vor der Kältekammer

Die Ganzkörperkältetherapie ist bei strenger Beachtung einiger Voraussetzungen sicher und praktisch nebenwirkungsfrei. Ob die Behandlung für Sie geeignet ist stellt Ihr behandelnder Arzt bei der Aufnahmeuntersuchung fest. Zudem erfolgt vor jeder Behandlung eine kurze Untersuchung durch den zuständigen Physiotherapeuten, wobei u.a. eine Blutdruckmessung erfolgt. Während der Therapie in der Kältekammer kommt es häufig zum Anstieg des Blutdrucks, die aber bei normalen Ausgangswerten nicht gefährlich ist. Ist der Blutdruck allerdings schon vor der Behandlung deutlich erhöht, sollte sicherheitshalber keine Ganzkörperkältetherapie erfolgen.

Ablauf einer Anwendung in der Kältekammer

Um eine optimale Wirkung des Kältereizes auf einer möglichst großen Körperoberfläche zu ermöglichen, sollten Sie während der Behandlung nur Badebekleidung tragen. Zudem werden die besonders kälteempfindlichen Ohren, die Nase, Hände vor Kälteschäden geschützt durch Stirnband, Mundschutz und Handschuhe, die Ihnen von uns zur Verfügung gestellt werden. Zum Schutz der Füße ziehen Sie bitte warme Socken und feste Schuhe an. Sollte es trotzdem zu Hautreizungen durch die Kälteanwendung kommen, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Stationsarzt.

Immanuel Krankenhaus Berlin - Abteilung Physiotherapie -Thermotherapie - Cryotherapie - Geöffnete Tür zur Kältekammer

Nach entsprechender Einweisung erfolgt die Akklimatisierung zunächst in zwei Vorkammern bei -10°C bzw. -60°C, bevor Sie dann die Hauptkammer betreten, in der Temperaturen zwischen -90°C und -110°C herrschen. Die Behandlungszeit liegt zwischen 90 und 180 Sekunden. Während dieser Zeit sollten Sie sich langsam in der Kältekammer bewegen. Zu schnelle Bewegungen mit Armen und Beinen sorgen für eine zu starke lokale Abkühlung und sollten unbedingt vermieden werden. Zudem ist es wichtig, ruhig zu atmen. Auch wenn es zu Nebelbildung kommt, ist immer genug Atemluft vorhanden. Die Behandlung wird fortlaufend durch einen Physiotherapeuten überwacht, der Ihnen auch die Behandlungszeit mitteilt und den Sie jederzeit ansprechen können. Die Türen sind jederzeit auch von innen zu öffnen. Nach der Therapie sollten Sie sich bewegen und die meist sofort einsetzende schmerzlindernde Wirkung der Kältetherapie ausnutzen. Erst nach der spürbaren Wiederaufwärmung sollten Sie etwas ruhen. Bis zwei Stunden vor und nach der Kältekammerbehandlung sollten keine Wärme- oder Wasseranwendungen erfolgen. Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben, wenden Sie sich bitte an uns oder Ihren Arzt.

Wärmebehandlung feucht und trocken

Wärme ist eine unterstützende und vorbereitende Maßnahmen für die krankengymnastische Behandlung. Wärme und Hitze werden eingesetzt in Form von heißen Rollen, Fango, Naturmoor, Rotlicht und von Heißluft. Wärme wird eingesetzt

  • zur Tonussenkung der Muskulatur bei starken Verspannungen
  • zum Ödemabbau bei schmerzhaften Muskelansatzreizen und chronischen Schwellungen
  • zur Durchblutungssteigerung

Im akuten Entzündungsstadium wird grundsätzlich keine Wärme angewandt. Die Maßnahmen sollen je nach Art der Durchführung

  • die Durchblutung fördern
  • Ver- und Fehlspannungen in Muskulatur und Bindegewebe positiv beeinflussen
  • tonussenkend oder aufbauend wirken, je nach der angewandten Technik
  • schmerzlindernd

wirken. Besondere Anwendungsformen sind Naturfango und Parafinfango. Naturfango wird aus vulkanischem Gesteinsmehl auch in Deutschland hergestellt. Es besitzt eine weiche Konsistenz und wird großflächig aufgetragen und nur einmalig verwendet. Meist wird Naturfango nur in großen Badeabteilungen abgegeben.

Parafinfango oder Moorparafin ist eine Mischung aus natürlichem Fango oder Moor, welches mit Parafinwachs versetzt ist. Dies verleiht der Packung in warmen Zustand eine weich formbare Konsistenz, die sich jedoch bei Abkühlung verändert. Das Parafinfango oder Moorparafin wird in flüssigem Zustand auf Trägerbleche aufgetragen und später bei Erreichen der Anwendungstemperatur von cirka 50-55 Grad auf die zu behandelnden Körperabschnitte aufgetragen.

 
 
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Ansprechpartner

  • Frank Ruppenthal
    Abteilungsleitung Physiotherapie am Immanuel Krankenhaus Berlin, Standort Berlin-Wannsee

    Immanuel Krankenhaus Berlin
    Königstraße 63
    14109 Berlin-Wannsee
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