Multimodale Schmerztherapie

In unserer Klinik betreuen wir Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen sowie chronischen Schmerzsyndromen.

Entzündlich-rheumatische und degenerative Erkrankungen gehen fast immer mit Schmerzen einher. Chronischer Schmerz entsteht nach heutiger Auffassung aus dem Zusammenwirken von biologischen und – teilweise unbewussten – psychischen Vorgängen. Insbesondere für Patienten mit chronischen Schmerzen ist eine lediglich medikamentös ausgerichtete Schmerztherapie meist nicht ausreichend.

Hier zeigt eine multimodale Schmerzbehandlung, d. h. ein Konzept, das verschiedene therapeutische Herangehensweisen in einem interdisziplinären Team zusammenfasst, deutlich bessere Ergebnisse. Dieses interdisziplinäre Konzept fußt in unserer Einrichtung auf drei Säulen:

  • eine medikamentöse ggf. auch invasive Schmerztherapie
  • die physikalische Therapie mit krankengymnastischer Bewegungstherapie und Ergotherapie
  • psychologische Behandlungsansätze mit Schulungsprogrammen und Entspannungstherapieangebote

Insbesondere bei chronisch schmerzerkrankten Patienten hat die Erläuterung und Umsetzung des bio-psychosozialen Schmerzmodells Einfluss auf das eigene Empfinden und die Art der Krankheitsverarbeitung und -bewältigung. Im Rahmen der Physiotherapie wird besonders Wert auf aktive bzw. aktivierende Therapieangebote gelegt. Die Ergotherapie zeichnet sich neben der Übungsbehandlung der oberen Extremität durch das Ausprobieren und die Anfertigung von Hilfsmitteln aus.

Aufgaben unserer Psychologinnen sind Diagnostik und Mitbetreuung bei seelischen Problemen, die Anleitung der regelmäßigen Entspannungstherapiegruppen und – gemeinsam mit einem Arzt für Schmerztherapie – die Durchführung der Patientenschulungen zu Themen der Schmerzentstehung und -bewältigung. Auch die Patientengesprächsgruppe wird von Ihnen zusammen mit unserem Seelsorger geleitet.

Für spezielle Fragestellungen steht im Haus ein Arzt für Schmerztherapie zur Verfügung bzw. wir beraten uns mit externen Spezialisten wie Neurologen oder Rheumaorthopäden. Um die unterschiedlichen Behandlungen gut zu koordinieren, finden regelmäßig Teamsitzungen aller beteiligten Berufsgruppen, d. h. Schwestern, Therapeuten und Ärzten statt.

Natürlich ist eine wichtige Säule der Schmerztherapie auch die medikamentöse Behandlung, die im Folgenden ausführlicher beschrieben wird.

Medikamentöse Schmerzbehandlung

Vor etwa 20 Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Schmerzmedikamente in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt, je nachdem, wie stark der Schmerz ist, den sie behandeln.

1. Leichte Schmerzen

Die erste Gruppe beinhaltet Medikamente gegen leichte Schmerzen. Dazu gehören unterschiedliche Wirkstoffe mit unterschiedlichen Ansatzpunkten in der Schmerzbekämpfung. Der Schmerz wird in dieser Gruppe vornehmlich am Ort des Entstehens bekämpft. Die Hauptgruppe sind sog. nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), d. h. „nicht kortisonhaltigen Medikamente gegen Schmerzen des Bewegungsapparates“.

Diese Medikamente haben neben der schmerzstillenden auch eine starke entzündungshemmende Wirkung und wirken deshalb besonders gut gegen Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparats, bei denen Entzündungen eine Rolle spielen, aber auch gegen Arthroseschmerzen. In diese Gruppe gehören neben Acetylsalicylsäure (ASS) z. B. Diclofenac oder Ibuprofen. Diese Medikamentengruppe ist zwar sehr wirkungsvoll, hat bei längerem Gebrauch aber auch teilweise erhebliche Nebenwirkungen. Eine der schwerwiegendsten Nebenwirkungen ist die entzündliche Reizung der Schleimhaut von Magen und Darm, die bis zu einer Blutung führen kann. Diese Veränderungen können auch vom Patienten unbemerkt auftreten.

Zusätzlich sind auch Schädigungen der Nieren bei längerem Gebrauch möglich und können sogar zum unwiederbringlichen Ausfall der Nierenfunktion führen. Die neueren Rheumamedikamente (Coxibe oder COX2-Hemmer, z. B. Celecoxib) sind etwas magenverträglicher, aber auch hier kann es bei empfindlichen Patienten und längerer Einnahme zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt kommen. Alle Rheumamittel erhöhen darüber hinaus bei längerer Einnahme (mehr als 1 Jahr) das Risiko, bei vorbelasteten Patienten einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Zwei weitere bekannte Medikamente gegen leichte Schmerzen sind Paracetamol und Metamizol /Novaminsulfon. Diese Substanzen wirken nicht nur auf Schmerzen, die vom Bewegungsapparat ausgehen, sondern auch auf andere Schmerzformen, z. B. auch gegen Bauchschmerzen. Sie zeigen jedoch eine geringere Wirkung gegen entzündliche Schmerzen. Paracetamol ist das schwächste Medikament gegen Schmerzen. Es kann bei höheren Dosen Leberschäden verursachen. Metamizol hat u. a. eine schmerzlindernde Wirkung auf die Muskulatur des Magen – Darmtraktes und hilft daher gut gegen krampfartige Bauchschmerzen. Nebenwirkungen sind selten, allergische Reaktionen und vereinzelt Blutbildveränderungen wie ein starker Abfall der weißen Blutkörperchen können jedoch vorkommen.

2. Mittelstarke Schmerzen

Opioide sind Medikamente gegen mittelstarke Schmerzen. In der Schmerztherapie bedeutsam sind vor allem zwei schwach wirksame Morphin – Abkömmlinge, Tramadol und Tilidin. Sie haben einen anderen chemischen Aufbau als Antirheumatika und beeinflussen eher die Schmerzweiterleitung und Schmerzverarbeitung im Rückenmark und Gehirn. Durch die zentralen Wirkmechanismen haben diese beiden Substanzen auch andere Nebenwirkungen, unter anderem Übelkeit (bis hin zu Erbrechen) und Müdigkeit.

Diese Nebenwirkungen sind in aller Regel vorübergehend und nicht Folge einer Organschädigung, sondern haben mit der besonderen Wirkung der Substanzen auf das Gehirn zu tun. Bei unsachgemäßem Gebrauch – vor allem bei unregelmäßiger Einnahme in Form von Tropfen – können diese Stoffe auch zu einer Medikamentenabhängigkeit führen.

3. Starke Schmerzen

Die Medikamente gegen starke Schmerzen, die Opiate, stammen alle vom Ausgangswirkstoff Morphin ab. Auch hier stehen zentrale Wirkmechanismen im Vordergrund und entsprechend ähnelt das Nebenwirkungsprofil mit Übelkeit und Müdigkeit auch dem der leichten Morphinabkömmlinge. Eine wichtige unerwünschte Wirkung, die auch bei längerer Anwendung des Medikamentes häufig bestehen bleibt, ist die Verstopfung. Diese Nebenwirkung ist je nach Medikament und Empfindlichkeit des Patienten sehr unterschiedlich ausgeprägt und muss, solange das Präparat genommen wird, vorbeugend behandelt werden.

Sind diese Medikamente nicht mehr erforderlich, dürfen sie nicht einfach weggelassen werden, sondern müssen stufenweise langsam reduziert werden, um einer Entzugssymptomatik vorzubeugen. Werden leichte oder starke Opiate genommen werden, sollte der Patient mit seinem behandelnden Arzt unbedingt über die Fahrtauglichkeit im Straßenverkehr sprechen.

4. Medikamente bei chronischen Schmerzen

Auch bei chronischen Schmerzen sind Medikamente ein wichtiger Teil der Therapie. Aber die Wirksamkeit der Schmerzmittel ist hier deutlich geringer und insbesondere ein chronischer nicht-tumor bedingter Schmerz lässt sich mit Medikamenten allein meist nicht ausreichend und langfristig verringern. Spritzen, Infusionen und Infiltrationen sind allenfalls „Notfallmedikamente“ und sollten nur zurückhaltend eingesetzt werden.

Während bei der Behandlung von chronischen Tumorschmerzen die durchgehende Dämpfung der Schmerzintensität eine wichtige Rolle spielt und die Schmerzmittel regelmäßig (nach der Uhr) eingenommen werden müssen, um einen kontinuierlichen Medikamentenspiegel im Blut aufrecht zu erhalten, so ist bei chronischem Nichttumorschmerz eine regelmäßige Physiotherapie, aktive Entspannungstherapie und Schmerzbewältigungsmaßnahmen mindestens ebenso wichtig. Die unregelmäßige Einnahme eines Schmerzmittels kann die weitere Chronifizierung sogar fördern.

Weiterführende Informationen und Adressen

Literatur

Dr. W Brückle: Fibromyalgie endlich erkennen – richtig behandeln, 3. Aufl. 2011, TRIAS.

Ärztliche Schmerztherapeuten

Suche nach ärztlichen Schmerztherapeuten über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin. Suche nach Stadtteilen möglich: Arztsuche > Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ > Stadtteil/Bezirk eingeben.

Selbsthilfegruppen

SEKIS (Selbsthilfe Kontakt und Informations-Stelle): Datenbank mit Links zu Selbsthilfegruppen zu den unterschiedlichsten Erkrankungen u. a. auch Fibromyalgie.

Deutsche Rheumaliga

Information zu Fibromyalgie-Selbsthilfegruppen, die innerhalb der Deutschen Rheumaliga organisiert sind.

Patienteninformationen

Informationen zu verschiedensten Erkrankungen u. a. zu akutem und chronischem Rückenschmerz bei dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin

Informationen zum Fibromyalgie-Syndrom bei dem Leitlinienregister der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften

Informationen zu nicht-spezifischen, somatoformen Körperbeschwerden bei dem Leitlinienregister der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften unter "Sonstige Krankheitsbilder"

Psychologische Psychotherapeuten (u. a. Schmerztherapie)

Da chronische Schmerzen oft auch die Psyche stark in Mitleidenschaft ziehen können (Wechselwirkung), kann es unter Umständen sinnvoll sein, sich auch wegen psychischer Belastungen Unterstützung zu suchen. Einige Menschen erkranken auch zusätzlich zur Schmerzerkrankung an einer Depression, welche behandelt werden sollte.

Unter www.therapie.de oder www.psych-info.de können Sie anhand der Postleitzahlensuche einen Psychotherapeuten in Ihrer Nähe suchen.
Weiter können Sie sich an Ihre Krankenkasse wenden und dort Adressen von Psy-chotherapeuten in Ihrer Nähe anfordern.

Leider ist die Wartezeit auf einen Therapieplatz oft lang und die Patienten werden dadurch weiter entmutigt und destabilisiert. Hier gibt es die Möglichkeit sich auch bei Privatpraxen zu erkundigen (Adressen z. B. auch über www.therapie.de oder www.psych-info.de, ob diese Psychotherapie im Kostenerstattungsverfahren mit den Krankenkassen durchführen. Wie genau das funktioniert, wird ihr/e Therapeut/in dann erklären.

Eine weitere Möglichkeit ist die Psychotherapie über ein Ausbildungsinstitut für Psychotherapie zu machen. Hier befinden sich Diplompsychologen in der Weiterbildung zum Psychotherapeut und führen dort unter Supervision Therapien durch. Das hat für Sie den Vorteil, dass die Wartezeiten meist viel kürzer sind, und sich Ihr/e Psychotherapeut/in regelmäßig mit einem Supervisor bespricht, um Ihnen noch besser helfen zu können.

Es gibt hierfür viele Institute in Berlin. Suchen Sie einfach im Internet nach „Ausbildungsinstitut Psychotherapie Berlin“ und melden sich dann bei der Ambulanz des jeweiligen Institutes. Eine Auflistung der Institute und Kontaktadressen (deutschlandweit) finden Sie (z. B. für Verhaltenstherapie) auch hier

Sollte Ihnen diese Wartezeit auch noch zu lang sein, da Sie sich in einer akuten psychischen Krise befinden wenden Sie sich bitte an den Berliner Krisendienst, telefonisch unter 030 390 63 00.

Bei akuter Suizidalität suchen Sie bitte umgehend Hilfe in der Rettungsstelle/Notaufnahme Ihres nächstgelegenen Krankenhauses auf.

 
 
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