Medikamentöse Therapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen

Rheumamedikamente sollen Schmerzen lindern, Schäden am Bewegungssystem verhindern und somit die Lebensqualität langfristig erhalten. Im Rahmen der medikamentösen Behandlung werden Medikamente sowohl systemisch als auch örtlich angewandt.

Was bewirkt die medikamentöse Therapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen?

Rheumamedikamente sollen Schmerzen lindern, Schäden am Bewegungssystem verhindern und somit die Lebensqualität langfristig erhalten. Die besten Behandlungsergebnisse erreicht man, wenn man der jeweiligen Krankheitsschwere angepasst möglichst frühzeitig verschiedene medikamentöse und physiotherapeutische Therapieverfahren anwendet, um einen weitgehend beschwerdefreien Zustand ohne wesentliche Krankheitssymptome oder Einschränkungen der Alltagsaktivitäten zu erreichen.

Im Rahmen der medikamentösen Behandlung werden Medikamente sowohl systemisch beispielsweise als Tabletten als auch örtlich beispielsweise als Cortison-Injektion in das Gelenk angewandt. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle der Wirksamkeit und Verträglichkeit der medikamentösen Rheumatherapie.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), das heißt „nicht kortisonhaltige Medikamente gegen Schmerzen des Bewegungsapparates“ lindern Schmerzen, Steifigkeit der Gelenke und andere Symptome der Entzündung und verbessern die Mobilität. In diese Gruppe gehören z. B. Diclofenac oder Ibuprofen. Sie wirken besonders gut gegen Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates, bei deren Entstehung Entzündungen eine Rolle spielen.

Häufig behandelt man Patienten mit diesen Medikamenten in der Frühphase der Erkrankung. Es ist jedoch nicht möglich mit ihnen ein Fortschreiten der Erkrankung, beispielsweise Gelenkschädigungen, zu verhindern. Diese Medikamentengruppe wirkt zwar sehr gut gegen entzündliche Schmerzen, hat bei längerem Gebrauch aber auch Nebenwirkungen. Eine der schwerwiegendsten unerwünschten Wirkungen ist die entzündliche Reizung der Schleimhaut von Magen und Darm, die bis zu einer Blutung führen kann.

Diese Veränderungen können auch vom Patienten unbemerkt auftreten. Zusätzlich sind auch Schädigungen der Nieren bei längerem Gebrauch möglich und können sogar zum unwiederbringlichen Ausfall der Nierenfunktion führen. Die neueren Rheumamedikamente (Coxibe oder COX2 – Hemmer, z. B. Celecoxib) sind etwas magenverträglicher, aber auch hier kann es bei empfindlichen Patienten und längerer Einnahme zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt kommen. Darüber hinaus erhöhen NSAR bei vorbelasteten Patienten und bei längerer Einnahme (über 1 Jahr) das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auszulösen.

Kortisonhaltige Medikamente

Glukokortikoide können sehr wirksam und schnell die rheumatische Entzündungsreaktion unterdrücken. Mittelfristig sollte die Dosierung so niedrig wie möglich und die Einnahmedauer so kurz wie nötig sein. Der Einsatz der Glukokortikoide kann intraartikulär (in das Gelenk), oral oder parenteral (in die Vene) erfolgen. Bei der oralen Medikamenteneinnahme werden meist Prednisolon oder Prednison eingesetzt. Patienten, die langfristig Glukokortikoide einnehmen, sollten darauf achten, dass in sogenannten Stressphasen (z. B. im Rahmen einer Operation) eine vorbeugende Dosiserhöhung von Glukokortikoiden notwendig sein kann.

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen der Glukokortikoide zählen Gewichtszunahme, Blutzuckererhöhung, Blutdruckanstieg, die Nebennierenrindeninsuffizienz, Glaukom („grüner Star“), Katarakt („grauer Star“), psychische Veränderungen, Hautatrophie, Hämatome, Wundheilungsstörungen, Schwächung der Infektabwehr und Osteoporose.
Um das Nebenwirkungsrisiko der Osteoporose zu mindern, ist die Gabe von Präparaten mit Kalzium und Vitamin D zu empfehlen.

„Basismedikamente“ = Immunsuppressiva

Um den Krankheitsprozess langfristig wirksam zu unterdrücken, ist eine „Basistherapie“, d. h. eine in das gestörte Immunsystem eingreifende Behandlung erforderlich. Übliche Medikamente sind z. B. Methotrexat, Leflunomid, Sulfasalazin, Azathioprin, Antimalaria-Mittel, Goldsalze oder Ciclosporin. Eine niedrig dosierte Cortisongabe kann eine sinnvolle Ergänzung der Basistherapie sein.


Die Langzeittherapeutika haben einige gemeinsame Merkmale:
So wirken sie nicht sofort. Bis zum Wirkungseintritt können Wochen bis Monate vergehen. Dafür haben sie eine Langzeitwirkung. Das heißt sie wirken, auch nachdem sie abgesetzt wurden, noch einige Zeit weiter. Sie sollen Gelenkzerstörung verhindern oder bremsen und können gelegentlich sogar bereits eingetretene Gelenkschäden wieder reparieren.

Mögliche Nebenwirkungen: Jedes Basismittel hat seine eigenen unerwünschten Wirkungen. Ein Aufklärungsblatt informiert Sie und Ihren Hausarzt/Hausärztin über typische Nebenwirkungen Ihres Medikaments. Einige Nebenwirkungen sind bei mehreren Medikamenten möglich, so z. B. eine Allergie gegen den Wirkstoff, Erhöhung der Leberwerte, Blutbildveränderungen oder Magen-Darm-Beschwerden.

Impfungen mit sogenannten Totimpfstoffen (abgetöteten Erregern oder Erregerbestandteilen) sind grundsätzlich alle erlaubt, unabhängig von rheumatischer Erkrankung und medikamentöser Therapie. Neben-wirkungen treten bei Rheumapatienten darunter nicht vermehrt auf, auch ist eine Aktivierung der rheumatischen Erkrankung nicht zu befürchten. Der Nutzen der Impfung ist am Größten, wenn sie vor Einleitung der immunsuppressiven Therapie durchgeführt wird. Aber auch später ist eine Impfung noch möglich und wirksam.

Impfungen mit lebenden, abgeschwächten Krankheitserregern (Lebendimpfstoffe) sind unter einer laufenden Therapie mit Basistherapeutika (ausgenommen Hydroxychloroquin und Sulfasalazin) oder Immunsuppressiva sowie unter einer Behandlung mit Prednisolon in einer Tagesdosis von mehr als 20 mg grundsätzlich verboten.

Biologica – neuere Immunsuppressiva

Neue Medikamente aus der Gruppe der Biologika, (TNF-alpha-Hemmstoffe wie Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab oder Infliximab bzw. Abatacept, Rituximab oder Tocilizumab) sind insbesondere bei nicht ausreichender Wirkung üblicher Basistherapien eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit.

Sie sollen die Entzündung z. B. bei der rheumatoiden Arthritis durch einen gezielten Eingriff in die Regulation immunologischer Reaktionen bekämpfen. Dies geschieht dadurch, dass entweder körpereigene entzündungshemmende bzw. entzündungsblockierende Substanzen gegeben werden oder aber Substanzen gegeben werden, die diejenigen körpereigenen Stoffe blockieren, die die Entzündung im Körper verursachen oder unterhalten. Besonders vielversprechend ist dabei eine Beeinflussung sogenannter Zytokine, die beim Informationsaustausch von Zellen des Immunsystems eine besondere Rolle spielen.

Die meisten Biologica haben ebenfalls einige gemeinsame Eigenschaften:
Sie wirken relativ rasch (im Gegensatz zu den o. g. Langzeittherapeutika), aber haben trotzdem eine Langzeitwirkung. Sie greifen ebenfalls in das Krankheitsgeschehen ein und sollen eine Rückbildung (Remission) der Erkrankung einleiten und damit eine Gelenkzerstörung verhindern oder zumindest bremsen.

Mögliche Nebenwirkungen: Bei den Biologica können örtliche und generalisierte Hautreaktionen oder allergische Reaktionen, Kopfschmerzen, und eine erhöhte Infektgefahr als Nebenwirkungen auftreten. So muss bei allen TNF-Alpha-Hemmern eine Tuberkulose, durch Viren verursachte Gelbsucht und andere schwere Erkrankungen vor Therapiebeginn ausgeschlossen werden.

Auch scheinen diese Substanzen mit einem gering erhöhten Risiko einherzugehen an Hautkrebs zu erkranken. Die Gabe erfolgt meist mit subkutanen Spritzen (d. h. in die Bauchhaut) oder als Infusion.

 
 
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