Polymyalgia rheumatica

Die Polymyalgia rheumatica ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung im Alter von über 50 Jahren, die mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Schulter- und Beckengürtel-schmerz und Entzündungszeichen plötzlich auftritt und gut behandelbar ist.

Was ist Polymyalgia rheumatica?

Der Name Polymyalgia rheumatica heißt übersetzt, dass viele Muskeln schmerzhaft entzündet sind. Relativ plötzlich treten starke Schmerzen insbesondere im Schulter- und Beckengürtel auf, verbunden mit Morgensteifigkeit, allgemeinem Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Nachtschweiß. Die Beweglichkeit ist stark eingeschränkt. Praktisch immer sind die Laborwerte C-reaktives Protein, durch CRP abgekürzt, und Blutsenkung, auch BSG genannt, deutlich erhöht. Diese Werte können allerdings auch bei anderen Erkrankungen, die mit Entzündung einhergehen, erhöht sein. Mittels Ultraschall lassen sich kleine Entzündungen an Schulter- und Hüftgelenken nachweisen. Relativ kleine Dosen von Prednisolon führen zu einer raschen Beschwerdefreiheit. Die Dosis kann über Monate langsam reduziert werden. Nach 1 – 3 Jahren ist in der Regel keine Therapie mehr erforderlich.

Was sind die wichtigsten Symptome?

  • Schultergürtelschmerz
  • Beckengürtelschmerz
  • Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit
  • Nachtschweiß
  • Gewichtsabnahme
  • kann mit Kopfschmerzen einhergehen, auch unter Arteriitis temporalis bekannt

Ursachen von Polymyalgia rheumatica

Mögkliche Ursachen von Polymyalgia rheumatica können sein

  • Überreaktion des Immunsystems
  • Entzündung an Schultergelenken, Hüftgelenken und kleinen Wirbelsäulengelenken und umgebendem Gewebe
  • Begleitende Gefäßentzündung sind möglich, auch bekannt als Vaskulitis
„Die Polymyalgia rheumatica ist meine Lieblingserkrankung“ Begründung: Man kann sie gut behandeln und am Ende geht sie wieder von alleine weg.
Prof. Dr. Wolfgang Schmidt, 2012

Diagnose von Polymyalgia rheumatica

  • Rheumatologische klinische Untersuchung
  • Labor: Blutsenkungsgeschwindigkeit, auch BSG genannt und C-reaktives Protein, durch CRP abgekürzt, sind typischerweise deutlich erhöht
  • Ultraschalluntersuchung der Schulter- und Hüftregion
  • Ultraschall der Temporalarterien am Kopf und im Bereich der Achselhöhle , um eine Arteriitis temporalis auszuschließen
  • Therapiebeginn mit 25 Milligramm Prednisolon pro Tag, was zu einer zeitnahen Besserung führt

Therapie bei Polymyalgia rheumatica

  • Die Behandlung erfolgt mit Prednisolon, auch als Cortison bekannt. Dabei beginnen wir mit einer Tagesdosis von 25 Milligramm. Die Dosis wird jede Woche um 2,5 Milligramm reduziert bis zu einer Tagesdosis von 10 Milligramm, danach um 1 Milligramm pro Monat, bis das Medikament wieder abgesetzt werden kann. Sollten wieder Beschwerden und Entzündungszeichen auftreten, was durch erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit oder erhöhtes C-reaktives Protein nachgewiesen werden kann, wird die Dosis vorübergehend gering gesteigert. Es gibt keine „Erhaltungsdosis“, sondern es wird immer eine möglichst niedrige Prednisolondosis angestrebt.
  • Mit dem oben genannten Schema treten wenig Cortison – Nebenwirkungen auf. Dennoch wird auf Blutdruck und Blutzucker geachtet. Der Augendruck und die Knochendichte sollen gemessen werden. Man hat mit einer Cortison-Therapie mehr Appetit und kann an Gewicht zunehmen. Wenn Patient und Arzt aber darauf achten, eine möglichst niedrige Dosis anzustreben, halten sich die Nebenwirkungen meistens in Grenzen. Zur Vermeidung einer Osteoporose ist auf ausreichende Vitamin D-Zufuhr zu achten.
  • Bei manchen Patienten lässt sich die Dosis nicht so schnell reduzieren. Ist mittelfristig, das heisst länger als 3 Monate, eine Dosis von 10 Milligramm täglich oder mehr notwendig kann Methotrexat zum Beispiel 10-20 Milligramm einmal wöchentlich eingesetzt werden. Dieses Medikament wird insbesondere zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Man kann damit häufig bis zu 20 Prozent der Corticoid Dosis einsparen, muss aber wiederum auf andere Nebenwirkungen achten.

Literaturhinweise

Schmidt W.
Polymyalgia rheumatica: Plötzlich schmerzt der Muskel, Zeitschrift der deutschen Rheumaliga

Studien

  • Dasgupta B, Cimmino MA, Maradit-Kremers H, Schmidt WA, et al. 2012 provisional classification criteria for polymyalgia rheumatica: a European League Against Rheumatism/American College of Rheumatology collaborative initiative. Ann Rheum Dis 2012;71:484-92.
  • Matteson EL, Maradit-Kremers H, Cimmino MA, Schmidt WA, et al. Patient reported outcomes in polymyalgia rheumatica. J Rheumatol 2012;39:795-803.
  • Scheel AK, Matteson EL, Dasgupta B, Bruyn GA, Ohrndorf S, Werner C, Schmidt WA. Reliability exercise for the polymyalgia rheumatica classification criteria study: the oranjewoud ultrasound substudy. Int J Rheumatol. 2009;2009:738931. Epub 2009 Jun 14.
  • Langsam wirkendes Kortikoid anstelle konventionelles Kortikoid bei Polymyagia rheumatica (Phase III Studie - Einschluss von Patienten ab Anfang 2013 voraussichtlich möglich) Canakinumab und Secukinumab im Vergleich zu Prednisolon (Phase II Studie, Rekrutierung abgeschlossen)
 
 
 
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