Granulomatose mit Polyangiitis

Die Granulomatose mit Polyangiitis gehört mit der Mikroskopischen Polyangiitis und dem Churg-Strauss-Syndrom zu den Vasculitiden, also zu den autoimmunologisch bedingten Gefäßentzündungen, sogenannte Vasculitis. Bei diesen können im Blut der Patienten oft Anti-Neutrophile-Cystpolsmatische-Antikörper, auch ANCA genannt, nachgewiesen werden.

Was versteht man unter Granulomatose mit Polyangiitis?

Granulomatose mit Polyangiitis, abgekürzt durch GPA, ist auch bekannt als Wegenersche Granulomatose, kurz WG oder als Morbus Wegener. Bei der Granulomatose mit Polyangiitis finden wir eine generalisierte Entzündung der kleinen und kleinsten arteriellen Gefäße und Kapillaren, zusammengefasst als Vasculitis bezeichnet, mit dem gemeinsamen feingeweblichen Bild einer Zerstörung und Durchdringung mit Entzündungszellen der Blutgefäße und anschließender Verengung, Aussackung oder auch Verschluss der Blutgefäße. Diese Erkrankung nimmt insofern eine Sonderstellung ein, da neben der Entzündung der Gefäßwand, gefäßnah und gefäßfern, sogenannte granulomatöse Veränderungen, bezeichnet als Granulome, vorwiegend in den oberen und unteren Luftwegen, wie Nase, Mittelohr und Lunge auftreten.

In 80 Prozent der Fälle kommt es zu einer Nierenkörperchenentzündung, einer Glomerulonephritis. Grundsätzlich kann jedoch jedes Organ betroffen sein. Mit Hilfe eines Autoantikörpers im Blut, dem c-ANCA/PR3-ANCA, ist die Diagnose weiter zu erhärten. Dieser Antikörper tritt zu 90 Prozent bei Granulomatose mit Polyangiitis auf, bei etwa 10 Prozent auch ein p-ANCA. Die Höhe des Antikörpertiters korreliert mit der Krankheitsaktivität. Eine Gewebeprobe zur histologischen Bestätigung der Diagnose ist in vielen Fällen erforderlich.

Was sind die wichtigsten Symptome?

  • Nieren: davon merkt der Patient oft kaum etwas, Schmerzen in der Nierengegend durch eine Schwellung der Niere in der Nierenkapsel sind oft Spätzeichen. Häufige indirekte Beschwerden sind: Kopfschmerzen bei Blutdruckerhöhung, Schwellungen im Bereich der Augenlider und Unterschenkel, auch als Ödeme bezeichnet. Diese treten als Folge des Eiweißverlustes über die geschädigten Nieren, welche unter dem Fachbegriff Glomerulonephritis bekannt ist, auf. Weitere indirekte Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen und schweres Krankheitsgefühl beim Auftreten eines Nierenversagens, einer sogeannten Urämie.
  • Nervensystem: Taubheitsgefühl mit Missempfindungen in den Finger- und Zehenspitzen, auch als Polyneuropathie bezeichnet, Gangunsicherheit und Kopfschmerzen, Schwäche der Extremitätenmuskulatur bei Muskelentzündung, auch bekannt als Myositis.
  • Haut: punktförmige (Purpura) oder flächenhafte Verfärbungen der Haut und des Unterhautfettgewebes, bezeichnet als Nekrose, bei Beteiligung großer Blutgefäße. Beispielsweise im Bereich der Finger und Zehen, auch bekannt als Gangrän.
 

Ursachen von Granulomatose mit Polyangiitis

Mögliche Ursachen von Granulomatose mit Polyangiitiskönnen sein:

  • Die GPA kann in jedem Lebensalter auftreten und betrifft gleich häufig Männer wie Frauen. Es gibt einige Hinweise, dass bestimmte Gene, die auch bei anderen Autoimmunerkrankungen gefunden werden, bei der GPA ebenfalls eine Rolle spielen können. Konkrete Auslöser sind nicht bekannt. Immunpathologische Abläufe spielen eine zentrale Rolle. Häufig ist ein vorangegangener bakterieller Infekt nachweisbar, möglicherweise lösen Teile des Erregers, beispielsweise Staphylokokken, die spätere immunologische Entzündung im Bereich der Gefäßwände aus.
  • Besonders das Auftreten der Anti-Neutrophile-Cytoplasmatische-Antikörpern, kurz ANCA, mit dem Ziel-Antigen, den sogenannten Proteinase 3–PR3-ANCA, wird als entscheidender Faktor in der Phase der Gefäßentzündung angesehen. Die ANCA und andere Zelleiweiße, auch als Zytokine bezeichnet, interagieren mit Granulozyten, was spezielle weiße Blutkörperchen sind, und aktivieren diese.
  • Aus den Granulozyten erfolgt die Freisetzung von Botenstoffen, den Enzymen, und zellzerstörenden Substanzen, den Toxinen, in deren Folge es zu einer Gefäßentzündung und -schädigung kommt.
  • Die GPA zeigt einen zweiphasigen Verlauf: Erstend die Granulombildung, dass heißt eine Anhäufung von Granulozyten um eine Nekrose im Bindegewebe, die zu einem typischen „Palisaden-Wall“ führen. Zweitens die Vasculitis, außerhalb oder in der Nähe der Graulome.
  • Einer granulomatösen Initialphase, gekennzeichnet durch eine oft isolierte Beteiligung der oberen Atemwege, doch ohne Allgemeinsymptome, folgt die vasculitische Generalistationsphase.

Diagnose von Granulomatose mit Polyangiitis

Die Klassifikation erfolgt durch folgende Symptome

  • Entzündung im HNO-Trakt
  • Röntgenbild der Lunge: Rundherde, Infiltrate, Kavernen
  • Blutiger Urin, auch Hämaturie genannt oder Nachweis von Erythrozyten im Urinsediment
  • Granulömatöse Entzündung in der Gefäßwand oder
  • Gewebe, durch Gewebeentnahme, der sogeannten Biopsie

Erfüllung der Klassifikationskriterien wenn zwei der vier Kriterien vorhanden sind.
Bei klinischen Symptomen wie Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Krankheitsgefühl, Entzündungen in der Nase mit blutig-borkigen Schnupfen, Augenentzündung, Bluthusten, Hautveränderungen, Gelenk- und Muskelbeschwerden und Wassereinlagerungen, auch als Ödeme bezeichnet, findet man oft

  • eine Erhöhung der Entzündungsparameter wie der Blutsenkungsgeschwindigkeit, auch BSG gennant und dem C-reaktiven Protein, auch unter der Abkürzung CRP bekannt
  • Blutbildveränderungen wie Blutarmut, Erhöhung der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen
  • erhöhte Nierenwerte
  • pathologische Urinbefunde weissen rote Blutkörperchen im Urin und Eiweiß nach
  • spezifische Antikörper wie c-ANCA und PR3-ANCA

Durch Röntgen und, oder Computertomographie der Nasennebenhöhlen und der Lunge könenn Verschattungen, Infiltrationen, Rundherde und Einschmelzungen, auch Kavernen genannt, erkannt werden. Als weiterer diagnostischer Schritt folgt der Versuch einer histologischen Sicherung aus Nase und Nasennebenhöhlen, Lunge, eventuell Nieren und/oder Hautbiopsie. Zusätzlich wird eine Magnetresonanztomographie, kurz MRT, des Schädels bei neurologischen Symptomen vorgeschlagen. Eine MRT- oder CT-Angiographie der Nierengefäße bringt zusätzlich einen Nachweis von Mikroaneurysmen der Nierengefäße in 70 Prozent der Fälle.

Therapie bei Granulomatose mit Polyangiitis

Die Therapieformen sind stadienabhängig. Das erste ist das lokal begrenzte Initialstadium. Hier wird Cotrimoxazol und temporär zusätzlich Prednisolon in einer niedrigen Dosis verabreicht damit längerfristiges Nachlassen von Krankheitssymptomen möglich wird. Dies gelingt in zwei Drittel der Fälle.

Das Zweite ist das Generalisationsstadium und kennzeichnet sich durch einen lebens- und organbedrohlichen Zustand. Hier wird Prednisolon und bei schwerem Krankheitsverlauf auch Methypred nisolon intravenös hochdosiert verabreicht. Weitere mögliche Medikamente in diesem Stadium sind Cyclophosphamid, oral oder intravenös verabreicht, die Entnahme von Blutplasma mittels Plasmapherese in lebendsbedorhlichen Fällen, Infilximab, Rituximab oder Mycophenolat mofetil.

Bei der sich anschließenden Erhaltungstherapie wird nach dem Therapiezyklus mit Cyclophosphamid und nach Erreichen einer Remission eine Umstellung der Therapie auf Methotrexat, Leflunomid oder Azathioprin und gegebenenfalls eine niedrig-dosierte Prednisolonerhaltungstherapie eingeleitet. Die Behandlung fokussiert Begleiterkrankungen mit besonderer Berücksichtigung von Organbefallen wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose und eventuell kommt es zur Behandlung der Polyneuropathie.

Schmerztherapie und verschiedene physiotherapeutische und ergotherapeutische Therapieansätze unterstützen den Heilungsverlauf, lindern die Nebenwirkungen der Therapie und fördern den Funktionserhalt betroffener Organe und Gelenkregionen.

Literatur

K. Loddenkemper, T. Ulrichs, G.R. Burmester
Ratgeber Rheumatologie
ISBN 3-8055-7384-7

E. Reinhold-Keller, W.L. Gross
Vaskulitis
ISBN-10: 3798514747

Uwe Heemann, Oliver Witze
Leben mit Kollagenosen und Vaskulitis
ISBN-10: 3-88603-977-3

 
 
 
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