Gicht

Die Gicht ist bedingt durch Ansammlung von Harnsäurekristallen. Typisch sind akute Gelenkentzündungen mit starkem Schmerz, Rötung und Überwärmung der Gelenke. Am häufigsten betroffen sind die Großzehengrundgelenke.

Der Harnsäurespiegel im Blut ergibt sich aus körpereigener Produktion der Harnsäure, Zufuhr der Harnsäure durch Nahrungsmittel und Ausscheidung durch die Nieren. Liegt der Harnsäurespiegel langfristig deutlich über 6,8 Miligramm pro Deziliter (mg/dl), was 400 Mikrostoffmengen pro Liter (μmol/l) entspricht, kann sich die Harnsäure nicht mehr im Körper auflösen, fällt als Kristall aus und lagert sich in Gelenken und Weichteilen ab. Wenn sich größere Harnsäuremengen abgelagert haben kann es zu akuten, sehr schmerzhaften Gichtanfällen kommen, weil körpereigene Zellen, sogenannte Makrophagen, versuchen, die Harnsäurekristalle zu beseitigen und dabei entzündungsfördernde Substanzen, Zytokine genannt, ausschütten. Die Anfälle können medikamentös behandelt werden. Langfristig besteht die Möglichkeit den Harnsäurespiegel durch Diät oder Medikamente effektiv zu senken.

Was sind die wichtigsten Symptome?

  • Podagra, eine anfallsweise, sehr schmerzhafte Entzündung des Großzehengrundgelenkes
  • Gichtanfall in anderen Gelenken wie zum Beispiel Sprung-, Knie-, Hand- und Fingergelenken
  • Tophi, eine Harnsäureansammlung im Gewebe wie am Ellenbogen oder vor der Kniescheibe und am Ohrläppchen
  • Chronische Entzündung mit Deformierung vieler Gelenke in fortgeschrittenen Stadien
  • Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Nieren, die sogenannten Nierensteine

Was sind mögliche Ursachen?

  • verminderte Ausscheidung von Harnsäurekristallen durch die Nieren
  • seltene Überproduktion der Harnsäure
  • häufig Übergewicht
  • vermehrte Purinzufuhr durch die Nahrung, aus Purinen wird die Harnsäure gebildet
  • Es besteht eine erbliche Anlage für die Gicht.
Er hat unter Qualen gemalt.
So pflegte der preußische König Friedrich Wilhelm I., der an Gicht litt, seine Gemälde zu signieren.

Diagnose von Gicht

  • Bei einem typischen Gichtanfall fällt ein heißes, rotes, äußerst schmerzhaftes Großzehengrundgelenk auf.
  • Der Anfall hört innerhalb von 3 bis 5 Tagen wieder auf.
  • Erhöhter Harnsäurespiegel im Blut. Im Anfall kann der Wert niedriger sein. Deshalb kann der Wert 2 Wochen nach dem Anfall bestimmt werden.
  • Ein in der Sonographie der Gelenke erfahrener Arzt kann die Diagnose mittels Ultraschall bestätigen.
  • Punktion eines betroffenen Gelenkes und Nachweis von Kristallen im Polarisationsmikroskop
  • Die Dual Energy Computertomographie erlaubt den spezifischen Nachweis von Tophi, was umgangsprachlich als Gichtknochen bezeichnet wird, in verschiedenen Körperregionen.

Eine Anmeldung ist über die Rheumaklinik Buch möglich.

Therapie bei Gicht

Bei einem Gichtanfall wird 1 Milligramm (mg) Colchicin oder zwei Tabletten Colchicum dispert gegeben. Eine Stunde nach dem Anfall 0,5 mg. Solange der Anfall anhält, werden drei, maximal vier Tabletten täglich eingenommen.

Alternativ kann ein Anfall auch mit einem anti-entzündlichen Schmerzmittel in voller Dosis behandelt werden, wie beipielsweise 150 mg Indometacin, 150 mg Diclofenac, 1000 mg Naproxen oder 2400 mg Ibuprofen pro Tag. Anstelle dieser Medikamente kann auch 30 mg Prednisolon täglich für eine Dauer von 5 Tagen gegeben werden. Der Rheumatologe kann auch Kortison in einzelne betroffene Gelenke spritzen, was rasch sehr wirksam ist.

Langfristig soll der Harnsäurespiegel unter 6 mg/dl (360 μmol/l) gesenkt werden. Bei Befall vieler Körperregionen und Tophi, sogeannten Gichtknochen, sogar unter 5 mg/dl (300 μmol/l). Dies sollte zunächst mit einer purinarmen Diät versucht werden. Purine sind wichtige Bestandteile des Speichers der Erbinformationen (DNS / RNS) und somit in jeder Zelle vorhanden.

Günstig für eine purinarme Ernährung sind:
  • Milchprodukte
  • Wasser
  • Kaffee
  • Gemüse
Ungünstig sind:
  • Bier
  • Spirituosen
  • Fleisch
  • Fruchtsäfte
  • Soft-Drinks

Purinreiche Gemüse, z. B. Spargel, sind unproblematisch.

Manche Medikamente erhöhen den Harnsäurespiegel wie Entwässerungsmittel (Thiazide, Furosemid) und Acetylsalicylsäure. Fragen Sie Ihren Arzt, ob diese Medikamente wirklich nötig sind, und ob sie gegebenenfalls durch andere Medikamente ersetzt werden können. Medikamente können effektiv die Harnsäure senken. Allopurinol hemmt die Harnsäureproduktion. Eine Therapie mit Allopurinol wird zwei Wochen nach einem Gichtanfall begonnen, zunächst werden 100 mg eingenommen, nach zwei Wochen 200 mg, nach vier Wochen dann 300 mg täglich.

Sollte der Harnsäurewerte weiterhin über 6 mg/dl (360 μmol/l) liegen, kann die Dosis bis 600 mg täglich gesteigert werden, sowie in Ausnahmefällen bis 800 mg. Bei Niereninsuffizienz wird niedriger dosiert. Probenecid und Benzbromaron, Medikamente, die die Harnsäureausscheidung fördern, können mit Allopurinol kombiniert werden, werden aber wesentlich seltener verordnet.

Falls diese Medikamente nicht vertragen werden sollten oder der Harnsäure Zielwert damit nicht erreicht werden sollte, steht zusätzlich Febuxostat zur Verfügung, das ähnlich wie Allopurinol wirkt, aber in der Lage ist, die Harnsäurewerte stärker zu senken.

Literaturempfehlung

W.A. Schmidt

Gicht und Hyperurikämie, Zeitschrift "Arthritis + Rheuma" 

N. Zöllner, W. Gröbner

Gicht und erhöhte Harnsäure, Hirzel Verlag

 
Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Wolfgang Schmidt
Leitender Oberarzt, Immanuel Krankenhaus
Standort Rheumaklinik Buch
Tel. 030-94792-306, -550
w.schmidt@immanuel.de

Patienten können derzeit in eine Studie in der Rheumaklinik Buch aufgenommen werden, bei der ein neues Medikament untersucht wird, das gegeben werden kann, wenn Allopurinol und die Diät den Harnsäurespiegel nicht ausreichend senkt. Telefonische Auskunft über 030-94792385.

 
 
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